Mondfinsternis - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Partielle Mondfinsternis am späten Abend des 16. Juli 2019
Totale Mondfinsternisse machen sich in nächster Zeit rar. Deshalb sollte man sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen, selbst wenn nicht der ganze Mond durch den Kernschatten der Erde wandert.


Der Ablauf des himmlischen Ereignisses

Der volle Mond tritt am 16.7.2019 um 22:01 mit seinem linken Rand in diesen Kernschatten ein.
Immer größere Mondpartien verschwinden nun im Schatten. Um 23:31 MESZ ist das Maximum erreicht. Dann befinden sich die oberen zwei Drittel des Monddurchmessers darin.
Obwohl das restliche Drittel sehr hell strahlt, sollte man auch die verfinsterte Mondregion erspähen können - nur ganz matt und in düsterstem Rot.


Grafik links:
Simulation der Finsternismitte mit Guide
Einst dachten Menschen, ein himmlischer Drache oder Dämon hätte den Mond verwundet; er würde nun bluten. Johannes Kepler wusste hingegen: Es ist unsere Atmosphäre, die ein wenig Sonnenlicht in den eigentlich dunklen Erdschatten befördert. Der lange Weg durch die Luft schwächt und rötet es.

Entscheidend sind dabei jene Regionen der Erde, die während der Finsternis gerade einen Sonnenauf- bzw. Untergang erleben. Im dreistündigen Verlauf dieser Mondfinsternis geschieht dies z.B. über Südamerika, Großbritannien, Skandinavien, Nordsibirien, Mongolei, China, Indonesien und Australien (siehe die Randzone auf der Erddarstellung weiter unten).

Nach 23:31 tritt der Mond immer mehr aus dem Kernschatten aus. Dessen Rand ist, wie das Foto links zeigt, nicht scharf begrenzt - sondern etwas verwaschen.

Um 1:00 Uhr MESZ (da ist schon der 17. Juli angebrochen) hat er sich sich zur Gänze daraus befreit.
Tipps zur Beobachtung

Um die Finsternis mitzuverfolgen, braucht man einen Beobachtungplatz mit freier Sicht bis nahe zum Horizont hinab. Zu Beginn steht der Mond sehr niedrig im Südosten. Dabei herrscht noch die bürgerliche Dämmerung; der Himmel ist also nicht dunkel.

Die astronomische Dunkelheit tritt kurz nach der Finsternismitte ein. Wir finden den Mond dann im Südsüdosten, noch immer in äußerst genickschonender Höhe. Zur Finsternisende weilt der Mond genau im Süden; er ist jetzt gerade eine Handspanne hoch über den Horizont geklettert (Angaben für Ostösterreich. Höhe und Azimut werden gen Westen hin kleiner).
MESZPhaseHöhe °Azimut °
22:01Eintritt in den Kernschatten  9139
23:31Maximum der Finsternis 16158
01:00Austritt aus dem Kernschatten19180
Die Mondfinsternis ist mit freiem Auge beobachtbar. Der geringen Höhe wegen lässt sich aber auch ein Fernglas besonders bequem zur Beobachtung einsetzen. Im Fernrohr kann man mitverfolgen, wie einzelne Mondkrater in den Kernschatten ein- bzw. wieder aus diesem auftauchen.

Der Mond steht während der Finsternis im Sternbild Schütze. Wirklich helle Fixsterne fehlen in seinem Umfeld. Rechts von ihm machen wir aber den Planeten Saturn aus. In fünffacher Distanz erblicken wir rechts den gleißenden Planeten Jupiter.
Impakte auf dem Mond jederzeit möglich

Bei der totalen Mondfinsternis am 21. Jänner 2019 schlug ein etwa kofferkleines Objekt mit hoher Geschwindigkeit auf dem Mond auf - und schuf dabei einen Krater von etwa Wohnungsgröße. Der ganz kurze Lichtblitz wurde von Live-Cams und auf Amateurfotos festgehalten. Ich hatte ebenfalls Glück (Brennweite um 1060 mm, Öffnung 5,3 - ISO 1600, Belichtungszeit 3 sec).
Der Impakt während der Mondfinsternis am 21.1.2019. Die Stelle befand sich am stark vignettierten Rand des teleskopischen Bildfelds. Daher wurde der Blitz hier zur Verdeutlichung aufgehellt. Alle Fotos © Pinter
Derartige Impakte passieren - zumeist unbeobachtet - immer wieder. Auch während dieser Finsternis könnte das geschehen: Um ein solches Ereignis festzuhalten, filmt oder fotografiert man den verfinsterten Mondteil mit hoher Brennweite und mit hoher ISO-Zahl. Die Überstrahlung durch den unverfinsterten Mondteil stört allerdings.
Standortwechsel

Fliegen wir in Gedanken zum Mond, wie es einst Johannes Kepler in seiner Erzählung "Somnium" (bei uns meist "Mondtraum" genannt) tat: Ein Beobachter am Mondäquator würde eine totale Sonnenfinsternis erleben. Aus seiner Perspektive wäre die gleißende Sonne zur Finsternismitte komplett hinter der Erde verschwunden. Anders ein Beobachter auf 60 Grad Süd der Mondkugel: Er würde maximal eine partielle Sonnenfinsternis sehen. Ein Teil der Sonne bliebe für ihn sichtbar.
Die Grafik (erstellt mit Guide) simuliert diesen Anblick, wobei die Kontinente hier nur zur Illustration dargestellt werden.

In Wirklichkeit erschiene besagtem Beobachter unsere Erde bloß als pechschwarze Scheibe, da die Sonne ja deren Rückseite beleuchtet.
Beobachtungsaufgaben

  • Wie exakt lässt sich die Uhrzeit des Eintritts in den Kernschatten bestimmen?
  • Ist das matte Rot des verfinsterten Mondteils mit freiem Auge zu erkennen? Ab wann?
  • Gelingt die mit dem Fernglas? Ab wann?
  • Wie würden Sie die Farbe des verfinsterten Teils zur Mitte der Finsternis beschreiben?
  • Wie exakt lässt sich die Uhrzeit des Austritts aus dem Kernschatten bestimmen?
    Literatur & Vorträge

    Mein astronomiegeschichtliches Lesebuch Helden des Himmels geht ausführlicher auf die Entstehung von Mondfinsternissen und die damit verbundene Mythologie ein. Es erzählt auch von Keplers Science Fiction Roman "Mondtraum".

    In meinem Vortrag "50 Jahre Mondträumer - Johannes Kepler und Jules Verne" - erzähle ich ebenfalls davon, aber auch von den beiden Mondreise-Romanen Vernes.
    Hier lesen Sie einen Artikel, der von den Mondfinsternisbeobachtungen des Astronomen Johannes Kepler in Linz berichtet.

    Alle Angaben ohne Gewähr

     
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