Meteore - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Dr. Christian Pinter
Beobachtungstipps
Astronomische
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Meteore: Begriffliches
Sternschnuppen

Unter einem Meteor (im Volksmund "Sternschnuppe") versteht man die sichtbare Leuchterscheinung eines in die Lufthülle eindringlichen Teilchens. Das Teilchen selbst wird "Meteroid" genannt.
Die Leuchtbahn ist der sichtbare Teil der Flugbahn durch die Erdatmosphäre. Sie erlischt, wenn die Luft zu dicht wird oder das Teilchen völlig verdampft ist. Zurück verfolgt, weist die Leuchtbahn zu einem Radianten ("Ausstrahlungspunkt").
Mitunter können Leuchtbahnen auch länger als einen Sekundenbruchteil sichtbar sein, also Nachleuchten. Dann sind vergleichsweise hohe Energien (Tempo, Masse) im Spiel.

Die Zahl an theoretisch sichtbaren Meteoren pro Stunde wird in der sogenannten "ZHR" ausgedrückt. Das ist eine hochgerechnete Idealzahl, die in der Praxis nicht erreicht wird. Man hat sie zu Vergleichszwecken ersonnen.

Zu Zeiten des Aktivitätsmaximums eines Meteorstroms ist die ZHR am größten. Solche Maxima können schmal sein (also nur ganz wenige Stunden dauern) oder breiter. Mitunter zerfallen Maxima in mehrere Nebenmaxima. Die meisten Ströme sind bereits Tage von und nach dem Maximum aktiv, dann aber mit einer geringeren ZHR.
Sonnenaufgang nach durchwachter Meteornacht im August 1995

Sporadische Meteore scheinen aus allen Richtungen zu stammen, also völlig unterschiedliche Radianten zu besitzen. Strommeteore strahlen hingegen vom gleichen, ganz bestimmten Radianten aus. Das Sternbild, in dem sich der Radiant befindet, bezeichnet dann in der Regel auch den ganzen Meteorstrom. Strommeteore treten jedes Jahr zur gleichen Zeit auf. Ich nenne in meiner Shortlist vier solcher Meteorströme.
Grafik links:
Strommeteore scheinen aus perspektivischen Gründen von einem gemeinsamen Ort am Himmel, dem Radianten, auszustrahlen


Feuerkugeln

Meteore besitzen unterschiedliche Helligkeiten. Jene, die heller sind als die hellsten Sterne und Planeten wie die Venus (- 4 mag), werden mitunter auch als "Boliden" oder "Feuerbälle" bezeichnet. Sie sind wunderbar anzusehen, aber selten. Entsprechende Beobachtungen werden vom Naturhistorischen Museum in Wien gesammelt und dokumentiert. Dort kann man entsprechende Beobachtungen auch melden.
Meteorite

Fast alle Meteore verdampfen ("verglühen") in der von ihnen selbst erhitzten Lufthülle.

Nur bei ungewöhnlich großen Anfangsmassen und vergleichbar geringen Eintrittsgeschwindigkeiten kann ein solches Objekt den Höllenritt durch die Erdatmosphäre überdauern. Es stürzt dann (ohne weitere Leuchterscheinung) im Dunkelflug ab, wird aber dabei weiter stark abgebremst. Sofern es nicht schon am Ende der Leuchtphase fragmentiert ist, mag sich das Meteoroid nun während seines Dunkelflugs teilen.

In vielleicht 15 km Höhe gehen die Überbleibsel in den vertikalen freien Fall über, um nach weiteren Minuten mit 200 bis 300 km/h am Erdboden aufzuschlagen: Jetzt erst spricht man von einem "Meteorit".
Manche Feuerbälle hinterlassen Meteorite, die aufgrund der gesammelten Sichtungen gezielt gesucht und gefunden werden.


Foto links:
Der sehr ursprüngliche Meteorit Orgueil fiel 1864 im Südwesten Frankreichs


Kraterbildende Einschläge (Impakte)

Nur extrem große Meteoroide von Dutzenden Metern Restmasse sind auch am Ende noch schneller unterwegs: Sie nehmen einen Teil ihrer kosmischen Anfangsgeschwindigkeit bis zum Erdboden mit. In diesen extrem seltenen Fällen kommt es zur Bildung von Einschlagskratern. Beim kraterbildenden Prozess können außerdem Tektite und Impaktite entstehen.
Barringer-Krater in Arizona (Panorama nachträglich aus Einzelfotos erstellt)


Mikrometeorite

Und dann gibt es noch Mikrometeorite. Das sind extrem kleine Meteroide, die keine sichtbaren Leuchterscheinungen hervor rufen. Sie verdampfen oft nicht, sondern schweben durch die Stratosphäre. Manche landen auf dem Erdboden, wo sie z.B. mit Magneten auf Flachdächern eingesammelt und dann im Mikroskop studiert werden können.

Leider lassen sich solche Funde nur mit größerem Aufwand einigermaßen sicher von artifiziellen Produkten unterscheiden. Andere Mikrometeorite werden noch in der Luft von hochfliegenden Flugzeugen eingefangen.


Alle Angaben ohne Gewähr




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