Mars - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Mars
Der Mars ist alle zwei Jahre sichtbar. Heuer strahlt er besonders hell, steigt aber nicht allzu hoch über den Horizont.

Helligkeit:
Ende Juli erreicht Mars seinen geringsten Erdabstand. Dann trennen uns 58 Mio. km von ihm. Zum Vergleich: Zwischen der Erde und der Sonne liegen 150 Mio. km. Zu dieser Zeit wird er sogar den Planeten Jupiter an Glanz übertreffen. Nur die Venus, die derzeit Abendstern spielt, ist (sofern nicht schon untergegangen) noch heller.
Farbe:
Mars wurde bereits in der Antike mit Krieg, Feuer und Blut verquickt - und zwar seiner rötlichen Tönung wegen. Die Griechen verwoben das Himmelslicht mit dem Kriegsgott Ares, die Römer mit dessen Pendent Mars. Die Tönung wiederum geht, wie wir heute wissen, auf Eisenoxide im Marsboden zurück.

Die Kolorierung ist schon mit freiem Auge leicht zu erkennen. Noch deutlicher wird sie im Fernglas, wenn man dieses leicht unscharf stellt. Bei flächigen Objekten nimmt unser Auge Pastellfarben nämlich deutlicher wahr als bei punktförmig anmutenden.

Ruhiges Licht:
Planeten funkeln deutlich weniger als Fixsterne, weil uns von ihnen (salopp gesagt) kein Lichtfaden, sondern ein Lichtbündel erreicht. Am steten Glanz, seiner großen Helligkeit und seiner rötlichen Tönung lässt sich der Mars rasch identifizieren.
Kepler und Galilei
Noch bevor das Fernrohr erfunden war, widmete sich Johannes Kepler dem Mars. Der Däne Tycho Brahe hatte ihn beschworen, gerade diesen Planeten als Prüfstein für die wahre Kosmologie zu wählen. Brahe wollte damit sein eigenes Modell beweisen. Doch Kepler hatte andere Pläne: Mars sollte dem Kopernikanismus zum Siegeszug verhelfen!

Die berechnete Bahn dieses Planeten wich besonders stark von seinem sichtbaren Lauf am Himmel ab. Selbst nach Kopernikus. Das liegt, wie wir heute wissen, am stark elliptischen Charakter des Orbits. Von Merkur abgesehen, weicht keine Planetenbahn so sehr von der idealen Kreisform ab.

Tatsächlich erkannte Kepler 1606 am Beispiel des Mars, dass Planeten eben nicht auf Kreisen, sondern auf Ellipsen um die Sonne ziehen. Diese Erkenntnis wurde später als das erste keplersche Gesetz berühmt.
Die Verbindungslinie Mars-Sonne überstrich dabei, trotz variierender Sonnendistanz, in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen: Dies gilt heute als das zweite keplersche Gesetz.
Kepler veröffentlichte beide Entdeckungen 1609 in seinem Buch Astronomia Nova. Darin verglich er seine Arbeit mit einem mühevollen Feldzug gegen den antiken Kriegsgott Mars, den er dem Kaiser nun endlich als hochedlen Gefangenen präsentieren könne.

Galilei richtete sein Teleskop natürlich auch auf Mars. Doch mit seinem nur schwach vergrößernden Teleskop konnte er auf dem kleinen Scheibchen keine Details erkennen.

Italienische Jesuiten sahen später mit besseren Teleskopen diffuse Flecken. Giovanni Cassini und Christiaan Huygens nutzten die matten Schattierungen, um die Taglänge auf Mars zu bestimmen. Cassini kam 1665 in Bologna auf 24 Stunden und 40 Minuten; der wahre Wert ist nur um 3 Minuten kürzer.

1672 sah man in Paris ein weißes Gebilde im tiefsten Süden des Planeten - die Südpolkappe. Später sollte Cassinis Neffe Giacomo Maraldi auch die nördliche Polkappe studieren.
Mars selbst beobachten
Leider erschwert ein globaler Staubsturm auf dem Mars heuer die teleskopische Beobachtung. Die Albedostrukturen haben dramatisch an Kontrast verloren. Die folgenden Tipps besitzen derzeit somit nur bedingt Geltung!
Der fotografische Vergleich bestätigt: Die Beobachtungsbedingungen sind zur Zeit problematisch. Die Fotos sind im Kontrast erheblich verstärkt - das Auge hat noch größere Schwierigkeiten, Details zu erkennen.
Der Durchmesser des Marsscheibchens wächst Ende Juli auf 24 Bogensekunden. Das ist bei Mars vergleichsweise viel. Um Mars im Teleskop so groß zu sehen, wie wir den Mond mit freiem Auge erblicken, müssen wir eine Teleskopvergrößerung von 75 x wählen. Wer ein Fernrohr von mehr als 75 mm Objektivdurchmesser besitzt, wird auch noch höhere Vergrößerungen einsetzen können. In jedem Fall vergrößern wir freilich auch die Luftunruhe mit.
Die Luftunruhe ist wegen des niedrigen Stands des Planeten (maximal 16 Grad) auch noch unangenehm groß. Man sollte mit der Beobachtung daher warten, bis Mars wirklich im Süden steht (das ist Ende Juli gegen 1 Uhr MESZ der Fall) - oder zu deutlich südlicheren Beobachtungsorten ausweichen.
In zwei Jahren wird sich Mars noch etwas näher an die Erde heranschieben. Leider nützt uns das nicht allzu viel, weil er dann noch südlicher steht als heuer.
Links der Mars in Aufnahmegröße, rechts in augenfreundlicher Vergrößerung. Die ist auch bei visueller Beobachtung wichtig.
Wichtig ist, nicht gleich den Mut zu verlieren. Unsere Wahrnehmung braucht mehrere Minuten Zeit, um mit den ungewohnten Sehbedingungen zurecht zu kommen. Außerdem sind die Augenblicke ruhiger Luft äußerst rar. Man prägt sich dann möglichst viele Details ein und wartet anschließend geduldig bis zum nächsten  günstigen Moment.

Übrigens: Wer versucht, das Gesehene in Zeichnungen  festzuhalten, schärft dabei seinen Blick.
Versuche mit Filtern
Ohne Filter ist mir der Mars im 8-Zöller zu hell. Ich brauche beim Beobachten zumindest ein neutrales Polfilter (Polfilter gibt es auch paarweise, aber zwei kassieren mir hier zu viel Licht). Am liebsten setze ich das Baader Neodymium Mond- und Skyglowfilter ein; es steigert den Kontrast, ohne die natürliche Farbe des Mars allzu stark zu verändern.   

Anders Farbfilter: Ein Orange- (z.B. Wratten Nr. 21) oder Rotfilter (z.B. Nr. 23A) steigert den Kontrast der Oberflächendeteils. Spezialisten halten außerdem Grünfilter (z.B. Nr. 56) und Blaufilter (z.B. Wratten Nr. 80A oder 38A) bereit, um Nebel bzw. Wolken auf Mars aufzuspüren. Eingefleischte Marsbeobachter erblicken mit Gelbfiltern überdies lokale Staubstürme und Veränderungen in der Gestalt oder im Kontrast der Hell-Dunkel-Strukturen.

Tipp: Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80A) beinhaltet Filter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Als Alternative bietet sich ein sechsteiliges Set von Omegon an.
Aufgrund des in den nächsten Jahren stets niedrigen Stands des Mars am Himmel treten selbst im besten Teleskop störende Farbsäume auf. Der Grund: Die Atmosphäre bricht blaues Licht etwas stärker als rotes - man spricht von "atmosphärischer Dispersion".

Abhilfe mag das Einschalten zweier Prismen in den Strahlengang schaffen, z.B. mit einem ADC (Atmospheric Dispersion Corrector). Den visuellen Gewinn vermag ich schlecht einzuschätzen. Fotografisch bietet der ADC meiner Erfahrung nach einen leichten Vorteil gegenüber einer einschlägigen Korrektur per Software.

Bei der fotografischen Bildbearbeitung kann entsprechende Software (Registax) diese Dispersion zum Teil wieder wegrechnen, wie diese Illustration vom Juni 2016 zeigt.

Beim oberen Foto wurde der Mars ohne mathematische Dispersionskorrektur geschärft, beim unteren habe ich diese Korrektur vor der Schärfung angewandt.


Oben: Der Mars, dargestellt mit dem kostenlosen Programm Winjupos.

Sicher erkennen Sie auch dunkle Schattierungen auf der Oberfläche, wie Syrtis Major oder Sinus Meridiani. Ein helles Gebilde im Süden ist Hellas Planitia - das Einschlagbecken könnte man versehentlich für die Südpolkappe halten.
Der Mars, fotografiert am 26. April 2014 mit einem LX90  von Meade und der NexImage5  von Celestron.
Da Mars um etwa 40 Minuten langsamer rotiert als die Erde, bleibt der Anblick mehrere Tage lang ähnlich - wenn man stets zur gleichen Uhrzeit beobachtet. Es dauert dann etwa fünf Wochen, bis man die gesamte Oberfläche geschaut hat.

Sie können den Anblick im Teleskop z.B. mit jenem vergleichen, die Computerprogramme bieten (siehe weiter unten).
Die Fotos auf dieser Seite entstanden zumeist in Jahren, in denen wir ein wenig besser auf Nordhemisphäre und den Nordpol des Mars blicken konnten.

Heuer ist es umgekehrt. Der Nordpol versteckt sich, der Südpol ist gleichsam immer im Bild - wie die Grafik links zeigt (das Kreuz markiert die Mitte des Scheibchens).
Übrigens: Bei einem Besuch im Naturhistorischen Museum in  Wien werden Sie in den Vitrinen auch Meteorite finden, die vom Mars stammen.  Dazu zählen die Gruppen der Shergottite, Naklithe und Chassignite - gemeinsam  kurz "SNC-Meteorite" genannt (Artikel).
Beobachtungsaufgaben
  • Können Sie die Färbung des Mars mit freiem Auge erkennen?
  • Funkelt er, mit freiem Auge betracht, deutlich weniger als helle Fixsterne?
  • Wie würden Sie seine Tönung im Fernglas bzw. im Fernrohr bezeichnen?
  • Machen Sie im Teleskop Oberflächenerscheinungen aus?
  • Fallen Ihnen dabei neben Dunkelgebieten auch weiße Flecken auf?
  • Wie ändert sich der Anblick von Nacht zu Nacht, wie von Woche zu Woche?
  • Gelingt es Ihnen, den Anblick zeichnerisch festzuhalten?
Literatur und Software für Planetenbeobachter
Planeten beobachten
Von Günther D. Roth. Ein  etwas älteres, aber äußerst vorzügliches Werk für alle, die Planeten im Teleskop  studieren möchten! Gebraucht kaufen und Versandkosten beachten.

Sonne, Mond, Planeten beobachten und  fotografieren
Ein neueres Buch zu oben genanntem Themenkreis, das sich  u.a. auch der digitalen Fotografie mit Webcams widmet.

Guide  
Das vielseitige Desktop-Planetarium GUIDE informiert Sie auch über  den Anblick des Mars - zu jedem gewünschten Zeitpunkt.

WinJUPOS
Das feine kostenlose Programm von  Grischa Hahn berechnet unter anderem die Ephemeriden vom Erdmond, den Planeten  und deren Monden. So stellt es auch die Planetenphasen und die  Albedoerscheinungen auf der Oberfläche des Mars dar. Unter dem Menüpunkt  "Programm" wählen Sie "Himmelskörper" und dann "Mars" aus, unter dem Menüpunkt  "Werkzeuge" wählen Sie "Ephemeridenberechnung". Website und  Download
Oben: Hier sehen Sie einen Vergleich zwischen der fotografierten Realität und der Darstellung durch Guide bzw. WinJupos


Mars Previewer II
Das schon recht alte,  kostenlose Programm stellt ebenfalls die zu einem bestimmten Zeitpunkt sichtbare  Marshemisphäre dar. Vorteil: Wenn Sie auf die Landschaften klicken, sehen sie  deren Namen. Download

Mars Profiler
Wenn Sie ein klein wenig  Einarbeitungszeit nicht scheuen, liefert Ihnen die Java-Applikation Mars  Profiler die Namen der gerade sichtbaren Oberflächenerscheinungen. Beachten  Sie hier aber unbedingt die für uns ungewohnte Art der Datumseingabe  (Monat/Tag/Jahr).


Folgenreiche Erkenntnisse
Mein Buch Helden des Himmels geht sehr  ausführlich auf die philosophischen und religiösen Implikationen der  Galileischen Beobachtungen ein.

Ich lege es Ihnen ganz besonders ans Herz.
Alle Angaben ohne jegliche Gewähr oder Haftung. Ich übernehme keine Verantwortung für die Inhalte, Preisangaben oder Handlungen anderer Sites, auf die sich Links meiner Web-Seiten richten.
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü