Die helleren Saturnmonde
Die hunderten Monde des Saturn wurden nach und nach entdeckt. Christiaan Huygens fand 1655 den etwa 8,5 mag hellen Titan, den schon kleine Instrumente problemlos zeigen (Foto links).
Wilhelm Herschel setzte an seinem Riesenteleskop gigantische Vergrößerungen ein. Bei 500 x erschien ihm Titan als "ziemlich beträchtliches, sichtbares Scheibchen". Mein Teleskop (20 cm Öffnung) zeigt Titan als rosafarbiges Lichtpünktchen. Andere Amateure sehen ihn leicht orangefarbig. Herschel beschrieb den Mond im Oktober 1789 als "rötlich" und ging in Folge vom Vorhandensein einer "erheblichen Atmosphäre" um Titan aus.
Tatsächlich ist der Riesenmond Titan (Durchmesser: 5150 km) der einzige Trabant im Sonnensystem mit dichter Gashülle: Dem reichlich vorhandenen Stickstoff sind Methan, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid beigemengt.
Die kosmische Strahlung und solares UV-Licht lassen daraus einfache Kohlenwasserstoffe entstehen. Die wiederum bilden Aerosole: Sie streuen das Sonnenlicht stärker als der schlimmste irdische Smog. Titans Oberfläche liegt deshalb in orangefarbigem Dämmerlicht, wie die ESA-Landesonde Huygens im Jänner 2005 bewies.
Meine Fantasiedarstellung: Vielleicht sieht es so auf Titan aus
Titan wurde übrigens nicht nach einer einzelnen Figur der antiken Mythologie getauft. Vielmehr stand hier ein ganzes, mächtiges Göttergeschlecht Pate: Dazu zählte auch Kronos (römisch:Saturn) selbst. Bei den folgenden Mondfunden wählte man dann individuelle Titanen und Titaninnen zur Namensgebung aus.
Giovanni Cassini stieß 1671 auf den Japetus und 1672 auf die Rhea. Auch sie sind mit Amateurmitteln noch recht einfach zu erkennen. Leicht vom Glanz des Planeten überstrahlt werden hingegen die kleineren Monde Tethys und Dione, die Cassini 1684 nachreichte. Für sie wird man Geräte mit 12 bis 15 cm Öffnung brauchen.
Japetus (englisch: Iapetus) ist allerdings ein ganz spezieller Fall. Schon Giovanni Cassini bemerkte: Dieser Mond ist in westlicher Elongation ("rechts" von Saturn) deutlich einfacher zu sehen als in östlicher ("links" von Saturn).
Wie Cassini richtig vermutete, besitzt der Mond zwei unterschiedlich glänzende Hemisphären. Er wendet dem Saturn außerdem immer die selbe Seite zu. Auf die helle Hemisphäre schauen wir, wenn er sich möglichst weit "rechts" vom Saturn befindet (links im umkehrenden Fernrohr).
Diese größte Helligkeit erreicht der Japetus in den Tagen um den 18. Juli (10,4 mag), um den 5. Oktober (10,2 mag) und um den 20. Dezember 2026 (10,4 mag). Das sollte reichen, um ihn zu erblicken. Etwa eineinhalb Wochen vor bis nach dem genannten Datum bleibt die Helligkeit erhöht.
In der östlichen Elongation sinkt der Glanz des Japetus heuer hingegen auf ein Sechstel bzw. ein Siebentel: So kommt er um den 26. August oder den 12. November 2026 jeweils nur auf 12,3 mag. Da beißt man sich dann leicht die Zähne an ihm aus.
Saturn ist auf dieser Aufnahme völlig überbelichtet. Dafür treten fünf seiner Monde hervor.
Für den sehr interessanten Enceladus (maximal 11,6 mag) sind normalerweise Geräte mit größerem Durchmesser nötig. Er hält sich meist sehr nahe des Rings auf und wird von diesem entsprechend leicht überstrahlt. Vielleicht erhaschen Sie trotzdem einen Blick auf ihn. Mimas ist noch schwieriger (12,8 mag).
Fotografisch können Amateure gerade noch den im September 1848 entdeckten Mond Hyperion (bestenfalls 14,1 mag) festhalten. Mein PC-Monitor zeigt ihn, wenn ich die empfindliche ASI 678MC im Fokus des Achtzöllers montiere und vierfaches Binning wähle.
Saturnmonde und Johannes Kepler
Nr. Name Umlauf Durchm. Gr.Halb. Helligk.
Tage km Mio.km mag
I Mimas 0,94 397 0,186 12,8
II Enceladus 1,37 499 0,238 11,8
III Tethys 1,89 1060 0,295 10,2
IV Dione 2,74 1118 0,377 10,4
V Rhea 4,51 1528 0,527 9,6
VI Titan 15,95 5150 1,222 8,4
VII Hyperion 21,28 266 1,481 14,4
VIII Japetus 79,33 1436 3,561 ~11
Je kleiner die Umlaufszeit, desto näher kreisen die Monde also am Planeten, und zwar nach der Regel:
Umlaufszeit ² / Große Halbachse ³ = konstant
Sie können das selbst leicht nachrechnen. Die leichte Streuung der Resultate rührt von gegenseitigen gravitationellen Beeinflussungen her.
Resonanzen im Saturn-System
Lässt sich eine Umlaufszeit als einfaches ganzzahliges Verhältnis einer anderen Umlaufszeit darstellen, spricht man von einer Resonanz. Je nach den Umständen können solche Resonanzen zerstörerisch oder stabilisierend wirken.
Ersteres ist bei der 2:1 Resonanz der Cassini-Teilung und dem Mond Mimas der Fall. Ein darin kreisender Körper würde von Mimas zweimal pro Umlauf gestört, weshalb die Lücke zwischen den Ringen A und B äußerst verarmt an Materie ist.
Mimas und Tethys sind hingegen in einer 4:2 Resonanz gefangen. Umrundet Mimas den Saturn 4 mal, dann schafft die Tethys gerade einmal zwei Umläufe. Eine nicht unähnliche Resonanz (1:2) bindet die Monde Dione und Enceladus, eine 3:4 Resonanz liegt zwischen den Monden Hyperion und Titan vor.
Enge Begegnungen der Monde
Selten genug blicken wir genau von der Seite her auf die Bahnebenen der Monde. Dann ziehen diese aus unserer Perspektive mitunter sehr eng aneinander vorbei. In den letzten Jahren war dies häufig der Fall.
Doch diese Phase klingt nun aus, wie man aus der untenstehenden, nur mehr einzeiligen Tabelle erkennt.
Je nach Teleskopöffnung verschmelzen die Monde dabei scheinbar miteinander. In kleineren Teleskope geschieht dies schon bei einer Distanz von 2 Bogensekunden (''), in größeren erst bei 1 Bogensekunde.
Datum MESZ Monde D
21.10.2026 23:03:51 Tethys/Dione 2"
21.10.2026 23:03:51 Tethys/Dione 2"
Laut GUIDE stehen die beiden Monde bei diesem Ereignis sehr nahe dem Saturn. Bessere Bedingungen herrschen in den Stunden zuvor, ab etwa 20 Uhr. Dann hält das enge Mondpaar weiteren Abstand zum Planeten und dessen Ring. Allerdings braucht der Saturn Zeit, um in halbe Himmelshöhe zu klettern.
Berechnet wurde dieses Ereignis mit der lizensierten Version von High Precision Ephemeries Tool. Die nächsten engen, bei uns beobachtbaren Begegnungen werden von diesem Tool erst wieder ab 2036 aufgelistet!
Tethys und Dione am 21.10.2026, 21 Uhr MESZ (GUIDE)
Die obige Grafik belegt: Der kleine Mond Enceladus (11,6 mag) schaut dem Treffen der helleren Monde Tethys (10,1 mag) und Dione (10,3 mag) gewissermaßen zu. Er steht zwischen etwa 20 bis 21 Uhr MESZ weit genug vom Ring ab, um vielleicht ebenfalls erspäht zu werden. Astrofotografen tun sich jedenfalls leichter, ihn einzufangen.
Gegenseitige Bedeckungen der Monde
Tendiert der Abstand zweier Monde gegen Null, kommt es zu einer Bedeckung.
Meist wird dann ein Mond nur teilweise (partiell, P) bedeckt. Ist der bedeckende Mond größer als der bedeckte, entsteht im besten Fall eine totale Bedeckung (T). Im umgekehrten Fall ist die Bedeckung ringförmig (annulär, A). Wie auch immer: Aus unserer Perspektive verschmelzen die Monde zu einem gemeinsamen Lichtpunkt.
Die Software OCCULT (Australien) listete bis Mai 2026 etliche solcher Ereignisse auf.
Die nächsten Bedeckungen stehen nicht vor 2029 ins Haus.
Gegenseitige Schattenwürfe der Monde
Prinzipiell kann auch ein Mond komplett in den Schatten eines anderen geraten und somit eine Zeitlang de facto aus unserem Blick verschwinden. Die Software OCCULT (Australien) listete bis Mai 2026 etliche solcher Ereignisse auf.
Die nächsten Schattenwürfe (Verfinsterungen) stehen nicht vor 2029 an.
Transits vor Saturn, Schattenwürfe auf Saturn
Ähnlich wie die Jupitermonde können auch die Saturnmonde in manchen Jahren Schatten auf den Planeten werfen, vor seiner Kugel vorbeilaufen bzw. von dieser bedeckt werden oder aber in Saturns Schatten verschwinden.
Meines Wissens sind solche Ereignisse grundsätzlich beim Riesenmond Titan miterlebbar, dank seines scheinbaren Durchmessers von maximal 0,8". Leider ist die Serie von Titan-Transits und Schattenwürfen des Titan zu Ende gegangen.
In den nächsten Jahren finden keine derartigen Titan-Ereignisse mehr statt.
Am 6.11.2025 zog der Titan vor Saturn vorbei. Der großen Luftunruhe wegen erkennt man
links oben bloß einen verwaschenen Flecken auf dem Planeten.
Beobachtungsaufgaben
- Erspähen Sie Saturns Riesenmond Titan im Fernrohr?
- Besitzt Titan einen pastellhaften Ton in größeren Instrumenten?
- Wie würden Sie diesen Farbton beschreiben?
- Machen Sie weitere Monde aus?
- Gelingt Ihnen ein Blick auf Japetus in der westlichen Elongation?
- Wie viele Monde erblicken Sie im Teleskop?
- Sehen Sie vielleicht sogar den sehr schwierigen Enceladus?
Fototipps gefällig?
Größtes Hindernis beim Fotografieren der Monde sind die hellen Saturnringe: Sie neigen dazu, nahe Monde zu überstrahlen. Aufgrund der zur Zeit geringen Ringöffnung steigen die Chance aber sehr - vor allem in der zweiten Novemberhälfte 2025!
Mit der Digitalkamera am Teleskop ist es jedenfalls recht einfach, auch den lichtschwachen Enceladus einzufangen.
Und hier kommen gleich sechs Saturnmonde ins Bild: Titan, Enceladus, Tethys, Dione, Rhea und Japetus! Man beachte Titans wärmeren Farbton.
Es geht noch besser: 7 auf einen Streich! Fotografiert mit der EOS 1000 im Fokus des LX90 (2000 mm Brennweite).
Software für Saturnbeobachter
Guide 9.0
Das kommerzielle, aber preiswerte Planetariumsprogramm zeigt unter anderem auch die aktuelle Position der Saturnmonde.
WinJUPOS
Das kostenlose Programm von Grischa Hahn berechnet auch die Ephemeriden vom Erdmond, den Planeten und deren Monden. So stellt es auch die Saturnmond-Positionen dar. Unter dem Menüpunkt "Programm" wählen Sie "Himmelskörper" und dann "Saturn" aus, unter dem Menüpunkt "Werkzeuge" nehmen Sie die "Ephemeridenberechnung". Vermutlich müssen Sie aus dem Bild herauszoomen, um die Monde zu sehen (Website und Download)
Javascript Utility von S&T
Die US-Zeitschrift Sky & Telescope bietet eine interaktive Webseite mit den Positionen der Saturnmonde.
Occult
Das kostenlose Occult (Australien) ist eigentlich spezialisiert auf die Berechnung von Sternbedeckungen durch den Erdmond. Es zeigt unter anderem aber auch die Positionen der Planetenmonde (Website und Download)
High Precision Ephemeris Tool
Das kommerzielle, aber preiswerte Planetariumsprogramm zeigt unter anderem auch die aktuelle Position der Saturnmonde.
WinJUPOS
Das kostenlose Programm von Grischa Hahn berechnet auch die Ephemeriden vom Erdmond, den Planeten und deren Monden. So stellt es auch die Saturnmond-Positionen dar. Unter dem Menüpunkt "Programm" wählen Sie "Himmelskörper" und dann "Saturn" aus, unter dem Menüpunkt "Werkzeuge" nehmen Sie die "Ephemeridenberechnung". Vermutlich müssen Sie aus dem Bild herauszoomen, um die Monde zu sehen (Website und Download)
Javascript Utility von S&T
Die US-Zeitschrift Sky & Telescope bietet eine interaktive Webseite mit den Positionen der Saturnmonde.
Occult
Das kostenlose Occult (Australien) ist eigentlich spezialisiert auf die Berechnung von Sternbedeckungen durch den Erdmond. Es zeigt unter anderem aber auch die Positionen der Planetenmonde (Website und Download)
High Precision Ephemeris Tool
Das High Precision Ephemeris Tool kalkuliert z.B. auch enge Begegnungen der Planetenmonde. Ich besitze noch die ältere Kaufversion. Die neuere, kostenlose Version läuft auf Win 7 und Win 10 - allerdings mit einschränkenden Lizenzbedingungen (Website und Download).
Alle Angaben ohne Gewähr!