Direkt zum Seiteninhalt

Mondfinsternis - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

Menü überspringen
Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
Menü überspringen
Partielle Mondfinsternis am Morgen des 28. August 2026
Der schwäbische Astronom Johannes Kepler beobachtete zahlreiche Mondfinsternisse - unter anderem während seiner langen Jahre in Linz (Artikel).

Vielleicht hat Kepler seinem dritten kaiserlichen Auftraggeber, Ferdinand II., einst das Zustandekommen von Mondfinsternissen erklärt. Jedenfalls betont das Gemälde an der Decke von Ferdinands Mausoleum in Graz: Dieser Kaiser kannte sich diesbezüglich aus. "Haec lumen ademit", steht hier: "Dadurch wird das Licht weggenommen".
Verwundeter Mond

Einst dachten Menschen, ein himmlischer Drache oder Dämon hätte den Mond verwundet; er würde nun bluten. Manche reagierten mit blankem Entsetzen und versuchten, den vermeintlichen Angreifer mit Lärm zu vertreiben.

Johannes Kepler wusste hingegen: Es ist unsere Atmosphäre, die ein wenig Sonnenlicht in den eigentlich dunklen Erdschatten befördert. Der lange Weg durch die Luft schwächt und rötet es. Es kommt zu einem doppelt starken Extinktionseffekt. Das mutmaßliche "Blut" ist somit ein atmosphärisch-optischer Effekt.
Doppelschattenspiel

Die Erde wirft einen Schatten ins All. Was nur in reflektiertem bzw. gestreutem Sonnenlicht leuchtet und in den Erdschatten gerät, verschwindet scheinbar vom Himmel.

Eigentlich wirft die Erde zwei Schatten ins All: Eine rauchartigen Halbschatten und einen dunklen Kernschatten. Ursache für diese Zweiteilung ist der Sonnendurchmesser. Wäre die Sonne ein Punkt, existierte der Halbschatten nicht.
Sie können diese Doppelnatur des Schattens übrigens auch bei irdischen Gegenständen bemerken, die im Sonnenlicht baden. Der Halbschatten (von Johannes Kepler einst Penumbra genannt) läuft auch hier nach außen hin ohne klare Kante aus.
Nach innen hin, also in Richtung des Kernschattens, gerät er zunehmend dichter.

Der Halbschatten wird durch direkte Sonnenstrahlen geprägt, die am irdischen Gegenstand bzw. an der Erde vorbei ziehen. Für ein Objekt im Halbschatten ist die Sonne nur teilweise verdeckt. Daher wirkt die Penumbra unscharf und verwaschen - wie auch das Foto links demonstriert.
Hingegen fällt kein Sonnenlicht in den dunklen Kernschatten, den Johannes Kepler schlicht Umbra (lat., Schatten) nannte. Zumindest nicht auf direktem Weg. Denn für einen Betrachter in Kernsachatten wäre die Sonne komplett verdeckt.

Irdische Objekte im Kernschatten werden allerdings durchs Himmelsblau aufgehellt - also von Sonnenlicht, das in der Atmosphäre an Molekülen gestreut wird. Analog-Fotografen erinnern sich wohl noch gut daran, wie im Kernschatten liegende Böden einen blauen Farbstich abbekamen - eben wegen des erwähnten Himmelsblaus.

Gerät der Mond in den Kernschatten, so trifft ihn auf direktem Weg kein Sonnenstrahl mehr. Jedoch streifen Sonnenstrahlen dicht an der Erde vorbei. Die Lufthülle wirkt wie eine Linse und bricht diese Strahlen in den Kernschatten hinein. Der lange, gleichsam tangentiale Weg durch die Atmosphäre streut dabei die kurzwellige, blaue Strahlung fort.

Jenes Licht, das es nach der mühsamen Passage zum Mond schafft, ist daher geschwächt und gerötet: Der Effekt ähnelt einem Sonnenauf- oder Untergang, ist jedoch viel stärker.

Diese "ermüdeten", in den Kernschatten hinein gebrochenen Strahlen fallen auf die Mondoberfläche und schenken dieser ein sehr mattes, rotes Glimmen. Das rote Restlicht, welches wir auf dem Mond erspähen, ist der kombinierte Schein aller Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die zu diesem Zeitpunkt auf Erden stattfinden!
Untergang

Die partielle Mondfinsternis am 28. August 2026 wäre ein Himmelsspektakel - doch die morgendliche Uhrzeit vereitelt dies. Schließlich steht der Vollmond der Sonne am Himmel gegenüber. In den sommerlichen Morgenstunden kann er daher gar nicht hoch am Himmel stehen. Die Sonne weilt recht knapp unter dem Horizont und schickt sich bald zum Aufgang an.

Die Beobachtung des Ereignisses wird folglich von zwei Faktoren beeinträchtigt:

  • vom bereits sehr niedrigen Stand des Mondes
  • und von der hellen Morgendämmerung bzw. vom Sonnenaufgang

Wer sich die Finsternis trotzdem anschauen will, braucht einen Beobachtungsplatz mit völlig freier Sicht nach Westsüdwest. Dies vorausgesetzt, mögen Wiener Frühaufsteher vor allem zwischen 4:30 und grob 5:00 MESZ interessante Eindrücke sammeln. Danach wird die Beobachtung rasch schwieriger: Der Mond sinkt allzu tief und verliert sich wohl in der Dämmerung.
Die erkennbare Halbschattenphase tritt gegen 4:10 MESZ ein. Der Mond weilt dann nur 16 Grad hoch im Südwesten (Azimut 232 Grad). Der linke obere Teil der Mondscheibe erscheint rauchartig eingedunkelt.

Links: Die Halbschattenphase bei einer längst vergangenen Mondfinsternis
Zu diesem Zeitpunkt beginnt im Raum Wien die astronomische Dämmerung. Sie stört zunächst nicht. Mit fotografischen Mitteln lässt sich der Halbschatten (des steigerbaren Bildkontrasts wegen) schon etwas früher einfangen.
Zu Beginn der eindrucksvolleren Kernschattenphase um 4:33 MESZ steht der Mond 14 Grad in Richtung Westsüdwest (Azimut 237 Grad). Der Erdtrabant wird links oben angeknabbert. Wäre die Mondscheibe das Ziffernblatt einer Uhr, würde dies da geschehen, wo der Stundenzeiger um 10 stünde.

Um 4:53 MESZ setzt die nautische Dämmerung ein, die zunächst allerdings vor allem den Osthimmel aufhellt. Der Mond ist nun auf 11 Grad hinab gesunken (Azimut 241 Grad).

Gegen 5:14 ist etwa die Hälfte des Mondes im Kernschatten verschwunden.

Vielleicht macht man jetzt mit dem Fernglas oder Fernrohr ein sehr dunkles Rot im Kernschatten aus. Wie erwähnt, ist das jenes Sonnenlicht, das von der Erdatmosphäre in den ansonsten stockdunklen Kernschatten der Erde hinein gebrochen wird. Mondhöhe jetzt 8 Grad (Azimut 245 Grad).
Links: Die partielle Kernschattenphase bei einer anderen Mondfinsternis. Um das düstere Rot des Kernschattens darzustellen, wurde der Kameraverschluss länger geöffnet. Der nicht verfinsterte Mondteil ist daher extrem überbelichtet
Um 5:34 MESZ sollte es bereits hell genug sein, um Zeitung lesen zu können - die bürgerliche Dämmerung hat begonnen. Mondhöhe: 5 Grad (Azimut 249 Grad).

Um 6:03 MESZ geht auf der anderen Seite des Himmels die Sonne auf. Spätestens jetzt ist jede Beobachtungschance verspielt. Mondhöhe: ein halbes Grad (Azimut 254 Grad).

Die Mitte der Finsternis um 6:13 MESZ entgeht uns somit. Nun wären 93% des Monddurchmessers im Kernschatten verschwunden. Nur eine schmale Kalotte ganz rechts bliebe unbetroffen. Der Mond sinkt aus Wiener Perspektive zu diesem Zeitpunkt gerade unter den mathematischen Horizont.

Je weiter man nach Westen reist, umso mehr verzögert sich der Monduntergang. Allerdings wird diese Mondfinsternis nirgendwo auf Erden total sein; rund 7 % Monddurchmessers verbleiben überall außerhalb des Kernschattens. Daher spricht man nicht von einer totalen, sondern von einer partiellen Kernschattenfinsternis.
Beobachtungstipps

  • Ab wann erspähen Sie den rauchartigen Halbschatten?
  • Wie gut gelingt es, den Beginn der Kernschatten-Phase zu bestimmen?
  • Ist der Halbschatten nahe am Kernschatten merklich gerötet?
  • Ist der im Kernschatten liegende Mondteil im Fernglas zu erkennen?
  • Wirkt dieser Mondteil im Fernglas etwas rötlich?
  • Wie lang erspähen Sie den verfinsterten Mond in der Morgendämmerung?
    Fototipps gefällig?

    Die Mondfinsternis lässt sich mit einer DSLR fotografieren, entweder durch ein Teleskop oder aber durch ein möglichst starkes Teleobjektiv (Stativ nötig; bitte auch Grundsätzliches zur Aufnahmetechnik ohne Teleskop beachten).

    Der unverfinsterte Teil

    Der unverfinsterte bzw. nur im Halbschatten liegende Teil der Mondscheibe ist am einfachsten zu fotografieren. Er bleibt vergleichsweise hell, wenngleich geschwächt vom immer niedriger werdenden Mondstand.

    Halbschatten - grau und etwas rötlich in Richtung hin zum Kernschatten

    Die Fotografie liefert spätestens bei entsprechender Bildbearbeitung härtere Kontraste ab als sie das Auge wahrzunehmen vermag: Deshalb zeigt sich der rauchartige Halbschatten fotografisch auch früher als visuell.

    Der dichteste (vergleichsweise dunkelste) Abschnitt des Halbschattens schmiegt sich an den Kernschatten an. Dieser Teil ist gerötet, was sich visuell beim Blick durchs Fernglas und auch fotografisch nachweisen lässt. Denn ein Mondbewohner im dichtesten Teil des Halbschattens erlebte dank der Erdatmosphäre gerade eine Art "Morgen- bzw. Abendrot".  

    Kernschattenrand blau oder grün?

    Vielleicht gelingt es, das zarte Blau oder Grün am Kernschattenrand nachzuweisen, das durch die Ozonschicht entsteht. Immerhin kann man ja die Farbsättigung bei der Bildbearbeitung erhöhen.

    Kernschatten - düster und rot

    Mondlandschaften im Kernschatten selbst sind am schwierigsten zu fotografieren: Die schwache rötliche Aufhellung des Kernschattens verlangt Belichtungszeiten im Sekundenbereich. Ohne Nachführung kann einem dabei schnell die Erdrotation in die Quere kommen. Erste Näherung für APS-C Sensoren:

    • Maximale Belichtungszeit (sec) = 175 / Brennweite (mm)

    Mit einem 500 mm Objektiv wäre ohne Nachführung also schon nach 1/3 sec Belichtung Schluss, mit einem 300 mm Objektiv nach einer guten halben Sekunde. Das 135 mm Tele schafft 1,3 Sekunden. Am besten, man probiert auch kürzere und längere Belichtungszeiten aus.

    Die kamerainterne Rauschunterdrückung empfiehlt sich; sie greift bei meinen Canon EOS-Cams aber erst ab 1 Sekunde Belichtungszeit ein. Alternativ mag man daher ein oder zwei Dutzend kurzbelichteter Mondfotos im RAW-Format plus Kalibrierungsaufnahmen (Darks, eventuell auch Biases und Flats) anfertigen: Das nachfolgende Stacking-Verfahren ist aus der Deep Sky Fotografie bekannt.

    Das Blau der Dämmerung setzt der Belichtungszeit irgendwann Grenzen, sorgt aber für zusätzliche Farbe im Bild. In jedem Fall wird man mit Teleobjektiven einen hohen ISO-Wert wählen und die Blende ganz öffnen.



      Alle Angaben ohne Gewähr
      Zurück zum Seiteninhalt