Blue Moon
Alle 29 oder 30 Kalendertage ist Vollmond. Denn im Abstand von durchschnittlich 29,53 Tagen bilden Sonne, Erde und Mond eine Linie im Raum. Der Mond steht dann in Opposition zur Sonne.
Solange der Monat an den Mond gekoppelt war, konnte es natürlich nur einen einzigen Vollmond pro Mondmonat geben. Seit Julius Cäsar ist das anders. Er machte den Kalendermonat unabhängig von den Mondphasen. Fast alle Monate sind seither etwas länger als die Zeitspanne von einem Vollmond zum nächsten.
Gelegentlich fallen zwei Vollmonde in den selben Kalendermonat - wie im Mai 2026, Dezember 2028, September 2031, Juli 2034 oder Jänner 2037.
Das klappt nur, wenn sich der erste Vollmond gleich zu Monatsbeginn einstellt. Nur dann geht sich knapp vor Monatsende noch ein zweiter Vollmond aus. Dabei sind die langen Monate (31 Tage) statistisch gegenüber den kürzeren Monaten (30 Tage) bevorzugt. Hingegen kommt es im kurzen Februar mitunter nicht einmal zu einem einzigen Vollmond (2018, 2037).
So ein Doppelmond bringt die einstige, lyrische Bezeichnungsweise der Vollmonde durcheinander. 2026 verzeichnen wir z.B. gleich zwei Wonnemonde. Der nachfolgende Brachmond hat entsprechend zu warten.
Ab 1818 nannte ein US-amerikanischer Bauernkalender (Farmer's Almanach) den vierten Vollmond einer (ja drei Monate dauernden) Jahreszeit deshalb Blue Moon - und schob diesen quasi zwischen die altvertrauten Mondnamen ein.
1946 geriet der Begriff Blue Moon dann aufgrund eines Irrtums in der US-Zeitschrift Sky & Telescope zur Bezeichnung für den 2. Vollmond im selben Kalendermonat. Diese falsche Interpretation fand speziell ab den 1980er Jahren Verbreitung, so dass ein zweiter Vollmond im Monat heute gern als Blue Moon bezeichnet wird.
Blue Moon Songs
In Summe gelten nur 3 bis 4 Prozent aller Vollmonde als Blue Moons. Aufgrund dieser Rarheit existiert im Englischen die Redewendung "Once in a blue moon" - für Ereignisse, die nur ganz selten sind. Im Deutschen würden wir statt dessen "alle Jubeljahre" sagen oder "alle heiligen Zeiten einmal".
In diesem Sinn nahmen Benny Krueger und sein Orchester 1934 das hoffnungsvolle Lied "Once In A Blue Moon" (Internet-Archiv, USA) auf, und zwar für die musikalische Filmkomödie "We're not dressing" mit Bing Crosby und Carole Lombard (deutscher Titel: "Schiffbruch unter Palmen" ): Irgendwann, so hört man hier, wird sich die Geliebte schon einstellen. Und zwar "out of a clear blue sky", also gleichsam "aus heiterem Himmel".
Wären unsere Augen farbtüchtiger, erblickten wir zumindest Gebiete mit höherem Titangehalt im Mondboden tatsächlich mit bläulichem Teint
Früher machte man den Mond (Luna) für die menschlichen Stimmungen verantwortlich - vergleiche die Ähnlichkeit der Worte Luna und Laune. Im Englischen steht blue außerdem auch für die Traurigkeit. Daher lag auch der Begriff Blue Moon nahe, um eine besonders traurige, nächtliche Stimmung zu beschreiben. Dieser Blue Moon eroberte die Schallplattenbranche:
1934 schrieben Richard Rodgers und Lorenz Hart den Song “Blue Moon” (Internet-Archiv, USA). Hier hört der Mond die Gebete eines einsamen Menschen, der sich nach einem Partner sehnt. Besondere Beliebtheit erfuhr die Interpretation von Ella Fitzgerald (Youtube-Link, USA). Wunderschön sind auch die Jazz-Versionen von Diane Shaw (Youtube-Link, USA) oder Peggy Lee (Youtube-Link, USA).
Ein paar Jahre später ließ Gene Sullivan seine Heimat Texas hinter sich. Während der Fahrt nach Oklahoma verfasste er “When My Blue Moon Turns To Gold Again” (Internet-Archiv, USA). Das Lied kreist um gemeinsame Erinnerungen und um die Hoffnung, die Geliebte wieder zu sehen - dann würde sich der “Blue Moon” zurück in “Gold” verwandeln.
1947 nahm Bill Monroe “Blue Moon of Kentucky” (Internet-Arcvhiv, USA) auf: Seine Geliebte bricht in einer Mondnacht auf, er bleibt traurig zurück. Der Blue Moon möge weiter auf sie scheinen, heißt es in diesem Klassiker der Bluegrass-Music.
Elvis Presley spielte alle drei genannten Blue-Moon-Songs ein (z.B. When My Blue Moon Turns to Gold Again, Youtube-Link, USA). Mitte der Fünfzigerjahre taufte er sogar seine Band “Blue Moon Boys”.
Erstand einst mein Vater: Elvis Presley, When My Blue Moon Turns To Gold Again
Der Blue Moon war also bereits Sinnbild von Liebeskummer, Einsamkeit und Sehnsucht, bevor er ab 1980 als astronomisch-kalendarisches Phänomen im heutigen Sinn berühmt wurde.
Weitere Blue-Moon-Songs folgten. Rosanne Cash, Tochter des legendären Country-Stars Johnny Cash, sang 1981 ein bitteres “Blue Moon With Heartache” (Youtube-Link, USA) - voller Wehmut über die erloschene Liebe in einer gerade noch bestehenden Beziehung.
1984 wollte Nanci Griffith in “Once In A Very Blue Moon” (Youtube-Link, USA) ihren ehemaligen Geliebten glauben machen, ihn nur noch sehr selten zu vermissen. Doch sie fühlt: Ein solch rarer Blue Moon Moment steht unmittelbar bevor.
Schwermütig ist auch der Song “Does That Blue Moon Ever Shine On You ?” (Youtube-Link, USA) aus dem Jahr 1996. Er stammt vom früh verstorbenen Country-Sänger Toby Keith: Bereut die, die er gehen ließ, das Ende der Beziehung so wie er? Leuchtet auf beide der selbe, traurige Mond herab?
Blau ist auch der Blue Moon nicht - es sei denn, man färbt ein Mondfoto entsprechend ein
In jedem Fall ist Blue Moon nur eine Redewendung, Teil von Songtiteln oder die Bezeichnung für ein kalendarisches Phänomen. Hätte unser Kalender einen anderen Startpunkt als den 1. Jänner, besäßen die Kalendermonate etwas andere Längen oder hätten wir die Kalenderreform von 1582 nicht umgesetzt, wären andere Vollmonde die Blue Moons.
An der Farbe des betreffenden Mondes ändert sich jedenfalls rein gar nichts, sofern man ihn nicht durch ein Blaufilter betrachtet.
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