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Jupiter - Wolkenbänder - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Jupiter - Abplattung und Wolkenbänder
Schon mit freiem Auge fällt der farblose, überaus ruhige Glanz Jupiters auf. Das Fernglas lässt bereits dessen Scheibchenform erkennen.

Im Amateurfernrohr wird die Abplattung (bedingt durch Jupiters rasche Rotation) deutlich. Das Instrument zeigt außerdem Details, bei denen es sich allerdings nicht um Phänomene der Jupiteroberfläche, sondern um atmosphärische Strukturen handelt - um Wolkengürtel und -zonen, die parallel zum Äquator liegen.
So präsentierte sich Jupiter am 21.4.2016.

Die Bildbearbeitung deckt feinste Strukturen in den Wolkenbändern auf, die dem Auge selbst im großen Amateurteleskop verborgen bleiben.
Man erkennt ein Spiel aus dunkleren Gürteln (auch Bänder genannt) und helleren Zonen. Prominent sind normalerweise die beiden Gürtel beiderseits des Äquators und die beiden ebenfalls dunkleren Polargebiete. Vor allem der Anblick der Äquatorialgürtel kann von einer Beobachtungssaison zur nächsten aber deutlich variieren.
Je nach Fernrohrleistung macht man in den Zonen und Bändern Einzelheiten aus, sieht zusätzliche Gürtel oder den berühmten Großen Roten Fleck  (GRF). Allerdings sind alle Details auf Jupiter ziemlich blass. Sie treten nicht so kontrastreich hervor, wie auf obiger Grafik.
Ihr Anblick ähnelt eher dem Foto links, wenn Sie dieses aus ein paar Metern Abstand betrachten. Ein Blau- (z.B. Wratten Nr. 80A) oder ein Grünfilter (z.B. Wratten Nr. 56) steigert den Kontrast zwischen den hellen Zonen und den dunklen Gürteln.
A Whiter Shade of Pale

Der südliche Äquatorialgürtel wird seit Herbst 2024 blasser. Michael Johannes Karrer fotografierte am 30.11.2024 dort zwei helle Ausbrüche (hier sein Foto auf der Facebook-Seite der WAA; es sollte auch ohne Anmeldung aufrufbar sein). Aus diesem Foto würde ich, WinJUPOS anwendend, auf die jovigrafischen Längen 320° und 328° im System II schließen.

Solche Ereignisse sind selten und kosten dem betroffenen Gürtel erfahrungsgemäß Farbe - und damit Kontrast. Er wird somit wohl noch bleicher werden. Mein Foto vom 10.1.2025 lässt dies ebenfalls ahnen.
Jupiter am Abend des 10.1.2025:

Die hellen Ausbrüche im südlichen Äquatorialband weiten sich erwartungsgemäß aus (Zentralmeridian System II: 317°).

Der Mond Io verschwindet gerade hinter dem Planeten
Versuche mit Farbfiltern

Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80) beinhaltet Farbfilter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Omegon bietet ein sechsteiliges Set, das sich allerdings mehr an die Besitzer großer Teleskope richtet  (Wratten Nr. 21, 25, 82, 12, 56, 47).  

Ohne wesentliche Farbveränderung steigert ein Kontrastfilter wie der Baader Neodymium (Mond- und Skyglow) die Sichtbarkeit von Details auf Jupiter, speziell jene des Großen Roten Flecks. Weiteres über den Einsatz von Filtern lesen Sie hier.
Die wirklichen Farben

Wer ohne Filter beobachtet, mag versuchen, Farbnuancen wahrzunehmen und etwaige Tönungen zu beschreiben.

Den Farbenreichtum der Jupiterfotos wird man visuell aber nicht erwarten dürfen. Auf praktisch allen Bildern sind Kontrast und Farbsättigung dramatisch übersteigert. Das macht man nicht, um den Betrachter zu täuschen - vielmehr möchte man so Details herausarbeiten, die dem Auge sonst verborgen blieben.

Die Voyager-Aufnahmen aus dem Jahr 1979 präsentierten sogar einen bunten Planeten mit leuchtenden, farbenfrohen Wolkengirlanden. Aus technischen Gründen wurde das Rot dabei überbetont, die Farbsättigung erhöht.

Am schwarzen Nachthimmel erscheint Jupiter dem freien Auge farblos - vermutlich der Grund, warum man ihn einst mit dem silberweiß glänzenden Metall Zinn verwob. Jupiters Atmosphäre ist aus Wasserstoff und Helium geformt. Eingestreut sind Spuren von Sauerstoff, Kohlenstoff oder Schwefel.

Im Teleskop sehen viele Amateure ein weißes, vielleicht eierschalengelbes Jupiterscheibchen, geteilt von grauen Bändern. Auf Fotos tritt in diesen Bändern ein gedecktes Rotbraun auf. Mäanderähnliche Strukturen wirken, als hätte man Eiscreme eingerührt. Die Polargebiete muten ockerfarbig an. In den helleren Zonen treten filigrane, bläuliche Details treten auf. Unterschiedliche Flughöhen prägen die Kolorierung der Wolken mit.
Begegnungen mit Mond und Venus

Der Mond streift im Abstand von rund 4 Wochen am Jupiter vorbei. 2026 geschieht dies zumeist im Abstand von etwa 3 Grad. Zu Jahresbeginn wirkt der Mond bei solchen Stelldicheins voll und störend hell. In den Monaten danach erscheint er von Mal zu Mal etwas abgemagerter und blendet nicht ganz so kräftig.

Im Juni 2026 leistet die Venus dem Jupiter Gesellschaft. Die genauen Termine derartiger Begegnungen, von Astronomen Konjunktionen genannt, erfahren Sie hier.
Beobachtungsaufgaben
  • Ab welcher Vergrößerung erkennen Sie den abgeplatteten Umriss Jupiters?
  • Fallen Ihnen Wolkengürtel beiderseits des Äquators auf?
  • Erspähen Sie weitere Details innerhalb von Wolkenbändern?
  • Machen sich die dunkleren Polgebiete bemerkbar?
  • Sehen Sie im größeren Teleskop nicht bloß Grautöne, sondern auch Farbnuancierungen?
Lesen Sie hier über Jupiters Großen Roten Fleck und über seine vier großen, hellen Monde.
Fototipps gefällig?
    Jupiter am 16.12.2024 im Vergleich: Links nur im visuellen Spektralbereich, in der Mitte visuell plus Infrarot bis knapp 1000 nm, rechts nur IR ab 742 nm. Fotografiert mit einer Zwo Asi 678MC im Fokus des Meade LX90 (2000 mm, f/10).
      Details auf Jupiter lassen sich mit Teleskop und CCD/CMOS-Kamera festhalten, wie in obigem Foto ersichtlich. Mit einer DSLR geht das wesentlich schlechter.
      Literatur für Planetenbeobachter
      Planeten beobachten
      Von Günther D. Roth. Ein  älteres, aber äußerst vorzügliches Werk für alle, die Planeten im Teleskop studieren möchten! Gebraucht kaufen und Versandkosten beachten.

      Sonne, Mond, Planeten beobachten und  fotografieren
      Ein ebenfalls älteres Buch zu oben genanntem Themenkreis, das sich u.a. auch der digitalen Fotografie widmet.
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