Pluto - Entdeckung und Erforschung
Der Pluto wurde 1930 bei einer fotografischen Planetensuchkampagne entdeckt - und zwar am Lowell-Observatorium in Flagstaff, Arizona. Das Foto zeigt jene Kuppel, unter der die Kamera arbeitete.
Der Fund gelang dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh, der immer wieder seine älteren und neueren Fotoplatten der Tierkreisregion mit einem Blinkkomperator verglich. Ein solches Instrument zeigt abwechselnd die eine, dann die andere Platte. Hat sich ein Objekt zwischen den Aufnahmen bewegt, springt dieses scheinbar hin und her.
Das folgende Foto hält den tatsächlich verwendeten Blinkkomperator fest.
Zwergenkönig
Tombaugh hatte 1930 nach einem neuen, neunten Planeten gesucht - und nicht etwa nach einem weiteren Kleinplaneten. Auch deshalb reihte man den neuen Fund rasch in den planetaren Reigen ein: Zumindest im Sprachgebrauch, denn eine wirklich verbindliche Definition des Begriffs "Planet" existierte damals noch nicht.
Selbst dass Plutos Bahn im Raum jene des Neptun schnitt, schien niemand ernsthaft zu stören. Doch je besser man Pluto beobachtete, desto mehr schrumpfte sein mutmaßlicher Durchmesser.
Besonders dramatisch war das Jahr 1978: Damals fand der US-Astronom James Walter Christy einen Plutomond, der das Abbild des "Planeten" ebenfalls vergrößert und verformt hatte (Mein ausführlicher Artikel aus dem Jahr 2005 findet sich im US-amerikanischen Internet-Archiv). Tatsächlich ist dieser Mond mehr als halb so groß wie Pluto selbst!
Der Fährmann Charon im Palazzo Medici Riccardi, Florenz
Christy wählte den Namen Charon für die Mondwelt: In der Mythologie war Charon jener Fährmann, der mit den Seelen der Verstorbenen über den Acheron ins dunkle, modrige Reich des Hades übersetzte. Am Eingang wachte der mehrköpfige Hund Kerberos.
All das nährte immer mehr Zweifel am Planetenstatus des Pluto. Ab 1992 stieß man in seinem Umfeld dann auf immer mehr weitere, wenngleich noch schmächtigere Objekte. Pluto wirkte nur noch wie ein Zwergenkönig.
Zwietracht
2005 veröffentlichten drei US-Astronomen schließlich die Entdeckung der Eris - eine Welt, die eine ähnliche Dimension wie Pluto besitzt. Man taufte sie nicht zufällig nach der griechischen Göttin der Zwietracht - wissend, dass der Fund eines derartigen Objekts die Debatte um den planetaren Charakter Plutos weiter anheizen würde.
2006 beschloss die Internationale Astronomische Union (IAU; siehe Artikel über deren Bedeutung) erstmals eine verbindliche Definition des Planetenbegriffs für Objekte unseres Sonnensystem. Sie war letztlich so formuliert, dass Pluto nicht dazu zählte. Vor allem US-Amerikaner trauern "ihrem" 9. Planeten bis heute nach.
Die NASA-Sonde New Horizons passierte Pluto Mitte 2015 und sandte erstmals hochauflösende Fotos dieses Himmelskörpers zur Erde (siehe NASA-Website). Diese zeigten eine überraschend komplex aufgebaute Oberfläche, die vor allem aus gefrorenem Stickstoff besteht.
Mehrere US-Astronomen nahmen diese Komplexität zum Argument, um Pluto doch noch unter die richtigen Planeten reihen zu dürfen. Die IAU blieb jedoch bei ihrem wohlbegründeten Nein.
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