Pluto - Mythologie und Benennungen
Benannt wurde die neu entdeckte, ferne Welt nach dem römischen Gott Pluto. Der Vorschlag stammte von der englischen Schülerin Venetia Burney, die mit der antiken Mythologie vertraut war.
Der römische Pluto galt wie sein griechisches Pendent Hades-Plutos als Beherrscher der Unterwelt (röm.: Orcus; griech.: Hades). Hades-Plutos war den Menschen verhasst. Die Griechen richteten nur wenige Kultstätten für ihn ein. Auch antike Hades-Statuen finden sich selten (Artikel über altgriechische Jenseitsvorstellungen).
Eine Ausnahme bildete der Mysterienkult von Eleusis (Artikel). Hier gedachte man dem Raub der Demeter-Tochter Persephone (röm.: Proserpina) durch den Gott Hades (röm.: Pluto).
Die in die Unterwelt Entführte durfte nach einem Entscheid zwei Drittel eines jeden Jahres Auferstehung aus dem Totenreich feiern - und war dann wieder mit ihrer Mutter Demeter (Ceres) vereint.
Aus Freude ließ diese dann Pflanzen sprießen und blühen, die, musste Persephone wieder in den Hades zurückkehren, welkten. So erklärten sich die Griechen das Zustandekommen der Jahreszeiten - sie kannten anfangs nur drei.
In Erinnerung an den alten Mythos schuf um 1690 Ottavio Mosto eine entsprechende Figur für den Salzburger Mirabellgarten (Foto oben). Augustyn Shöps stellte die gleiche Szene 1766 am Proserpina-Brunnen der polnischen Stadt Posen dar (Foto unten).
Plutokratie
Als der Held Herakles den Olymp betrat, verweigerte er ausgerechnet dem Plutos – dem Gott des Reichtums - seinen Gruß. Denn diesen habe er auf Erden zumeist bei den schlechten Menschen angetroffen, heißt es in einer der Äsopschen Fabeln (Artikel).
Letztlich verschmolz der Reichtumsgott Plutos mit dem Unterweltsgott Hades: Immerhin lagerten die Reichtümer der Erde, die Bodenschätze, ja in dessen unterirdischem Reich. Außerdem regierte Hades letztlich über mehr Seelen, als alle anderen Gottheiten zusammen.
Politische Systeme, in denen Reiche auch politisch das Sagen haben, sind Plutokratien - auch wenn sie sich selbst nie so bezeichnen würden: Never ever.
Die Plutonite
Laut Ovid fürchtete der Gott Pluto beständig, ein Beben könnte die Erde aufreißen und dann Göttern wie Menschen einen Blick in sein modriges Reich erlauben. Weil sich dieses Reich tief unter der Oberfläche verbarg, nannte man Tiefengesteine später plutonische Gesteine oder Plutonite - wobei das it eine Abkürzung von lithos ist (griechisch: Stein). Zu den Plutoniten zählt zum Beispiel der Granit.
Diese magmatischen Gesteine fanden in mehreren Kilometern Tiefe genug Zeit, um langsam abzukühlen. Die Kristallisation der Gesteinsschmelzen lief dort gemächlicher aber als in der Lava, die von Vulkanen an die kühle Erdoberfläche gespien wird. Entsprechend grob ist deren Textur.
Granit aus dem Eimschlagskrater Karikkoselkä, Finnland
Disneys Bluthund
Man hatte Anfang des 20. Jh. einen Planeten gesucht, den man für die - bloß vermeintlich existierenden - Bahnabweichungen des Neptun verantwortlich machen konnte. Im Sprachgebrauch wurde der aufgestöberte Pluto dann auch Jahrzehnte lang als "9. Planet" gehandelt. Im Schnitt steht er fast 40 mal weiter von der Sonne ab als die Erde und benötigt 248 Jahre für einen kompletten Umlauf.
Offensichtlich wurde Walt Disneys Zeichentrickfigur Pluto nach dem neuen Himmelskörper getauft: Disneys Pluto hatte den ersten Auftritt 1930 im Cartoon The Chain Gang - damals als Bluthund.
1942 benannte man das chemische Element Plutinium nach dem "9. Planeten".
Der Gott Pluto an der Fassade des Naturhistorischen Museums in Wien
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