Kosmische Strahlung - entdeckt bei Ballonfahrten
Vinzenz Hess war fürstlicher Forstmeister. Auch sein am 24. Juni 1883 geborener Sohn Viktor Franz Hess wohnte im Schloss Waldstein unweit von Deutschfeistritz. Der Einschlag eines Blitzes in den Schlossturm weckte Viktors Interesse an physikalischen Phänomenen.
Als Sohn des fürstlichen Forstmeisters wuchs der spätere Nobelpreisträger Viktor Hess im steirischen Schloss Waldstein auf
Nach dem Gymnasiumbesuch in Graz schrieb sich Viktor ebenda an der Universität ein. Während seines Studiums erhielten Henri Becquerel sowie Pierre und Marie Curie gerade den Physiknobelpreis - für die Entdeckung der Radioaktivität sowie des Radiums.
Links: Die Sternwarte der Uni Graz
Nach der Promotion arbeitete Hess in Wien, wurde schließlich Assistent am Institut für Radiumforschung der Akademie der Wissenschaften.
Radioaktive Strahlung war damals schwer zu messen. Man bemühte Elektrometer, welche eigentlich die Leitfähigkeit der Luft untersuchten.
Diese stieg nämlich, sobald die Luft von der Strahlung ionisiert wurde.
Für die Ionisation machte man die radioaktive, aus der Erdkruste dringende Strahlung verantwortlich. Sie musste mit zunehmender Distanz zum Boden abnehmen.
Um so größer war das Staunen, als Wulf die Strahlung 1910 recht fern des Erdbodens, am 312 Meter hohen Eiffelturm, registrierte.
Viktor Hess wollte dies näher untersuchen. Also machte er den Ballonführerschein und stieg ab 1911 mehrmals mit Elektrometern an Bord auf. Der Gründer des Aero Clubs hatte eine Leuchtgasleitung (später "Stadtgas" genannt) zur Feuerwerkswiese im Prater legen lassen, um die Luftfahrzeuge zu befüllen. Das Gas trug den Hess'schen Ballon am 17. April 1912 bis in 2.750 m Höhe.
Dann schrumpfte die Sonnenscheibe erwartungsgemäß, verwandelte sich in eine recht schmale Sichel (siehe Grafik links). Eine partielle Sonnenfinsternis nahm ihren Lauf.
Mithilfe des Himmelsschauspiels wollte Hess den Einfluss der Sonne auf die Ionisation der Luft prüfen.
Nach anfänglichem, leichten Rückgang wurde die Ionisation aber sogar stärker als zuvor am Boden. Die Strahlung musste mit der Höhe also zugelegt haben!
Am 26. April bereiste Hess mit Zweifaden-Elektrometern die Nacht. Dabei bemerkte er ab 800 m Höhe ein Ansteigen der Ionisation. „Die Existenz einer von oben kommenden Strahlung" sei somit "nicht auszuschließen“, notierte er.
Schließlich ließ Hess den Ballon mit Wasserstoff füllen, stieg damit bis in 5.350 m Höhe auf. Nun war er sicher, „dass in Höhen jenseits 3.000 Meter eine von allen drei Apparaten auch quantitativ ziemlich übereinstimmend angezeigte Zunahme der durchdringenden Strahlung erfolgt“ war.
Diese Strahlung konnte keinesfalls mehr vom Boden stammen. Sie musste vielmehr „von oben in unsere Atmosphäre eindringen“ und somit kosmischen Ursprungs sein.
Noch 1912 legte Hess die Ergebnisse seiner Ballonfahrten der Wiener Akademie der Wissenschaften vor.
1936 erhielt Viktor Hess für den Fund der Kosmischen Strahlung den Nobelpreis für Physik, gemeinsam mit Carl David Anderson: Der US-Amerikaner hatte in der Hess‘schen Strahlung das Positron - Antiteilchen des Elektrons - entdeckt.
Die Nazis verfolgten Hess, beendeten seine Universitätslaufbahn. Entlassen und ohne Pensionsanspruch emigrierte der österreichische Nobelpreisträger in die USA. Dort starb er, hoch renommiert, 1964.
PS:
Meinen ausführlichen Artikel über die abenteuerlichen Ballonfahrten des Viktor Hess lesen Sie hier am Server der ehemaligen Wiener Zeitung
Alle Angaben ohne Gewähr