Die kosmische Strahlung - Gefahr für Airline-Crews
Am Erdboden mischt sich die kosmische Sekundärstrahlung für uns untrennbar mit der terrestrischen Strahlung: Diese Mixtur aus Teilchen und Wellen entsteht in über 20.000 Metern Seehöhe: Das sind mehr als 65.000 Fuß, um das in der Luftfahrt gebräuchliche Maß zu verwenden (1 Fuß misst 30,48 cm).Beim Fliegen kommt man diesem Bereich schon relativ nahe, z.B. in einer Reiseflughöhe von 33.700 Fuß (gut 11.000 m). Die Bodenstrahlung spielt im Gegensatz dazu keine Rolle mehr. Salopp gesagt, übernimmt die kosmische Strahlung dort droben die Regie.
Risiko lange Zeit klein geredet
2014 widmete ich der kosmischen Strahlung im Flugwesen einen ganzseitigen Artikel in der Wiener Zeitung.
Die britische Civil Aviation Authority (CAA) gab bereits zuvor für 8.000 Meter Höhe eine Dosis von 3 Mikrosievert pro Stunde (uSv/h) an - in Wien bekommt man in der gleichen Zeitspanne 0,1 uSv ab, also ein Dreißigstel. Das Deutsche Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) rechnete für die Tour von Frankfurt nach Rom mit insgesamt bis zu 6 uSv, für die Destination Singapur mit bis zu 50 und für den Flug nach San Francisco mit bis zu 110 uSv.
Der 1.215 m hohe Attavyros auf Rhodos, fotografiert aus Reiseflughöhe
Entscheidend ist vor allem die Flughöhe. Sie bleibt auf innereuropäischen Routen niedriger als bei Interkontinentalreisen. Dabei äußert sich selbst eine geringe Steigerung der Flughöhe in einem deutlichen Strahlungsanstieg. Allein zwischen 10.670 und der für Langstreckenflüge typischen Höhe von 11.900 Metern soll die Belastung um ein weiteres Viertel wachsen.
Über den Magnetpolen ist die kosmische Strahlung außerdem drei- bis fünfmal so stark wie in Äquatornähe. Das liegt an der Erdmagnetosphäre, die schwächere Partikel der kosmischen Primärstrahlung in Richtung zu den Magnetpolen lenkt. Entsprechend wächst dort dann auch die Sekundärstrahlung in Reiseflughöhe.
Die Pyramiden von Gizeh, fotografiert aus Reiseflughöhe
Bei Piloten existierten sein längerem Hinweise auf eine deutlich erhöhte Anfälligkeit für Grauen Star. Dafür mag die kosmische Strahlung verantwortlich sein, aber auch das in großen Höhen intensivere UV-Licht. Nach einer weiteren Studie aus 2013/14 trat schwarzer Hautkrebs beim fliegenden Personal mehr als doppelt so häufig auf wie im Schnitt der Bevölkerung. Betroffen waren auch bedeckte Körperpartien, was gegen eine UV-Exposition als Ursache spricht.
Solche Erkenntnisse wurden aber gerne weggewischt: Auf der Langstrecke hätten Airline-Mitarbeiter:innen eben lange Pausen, die sie vermehrt in der prallen Sonne verbringen würden. Im übrigen, so hieß es ebenso zynisch, sei ja nicht erhoben worden, ob die Betroffenen vielleicht mit Rauchern liiert und somit Passivraucher gewesen waren.Schon länger verglich die NASA die Strahlenbelastung von Crew-Mitgliedern mit jener von AKW-Mitarbeitern. Der jährliche „Grenzwert“ für beruflich strahlenexponierte Personen war schon vor geraumer Zeit mit 20.000 uSv festgesetzt worden. Dazu bedürfte es nach der Federal Aviation Administration (FAA) mehr als 300 Flüge von Athen nach New York. Bei einem 25-jährigen Inlandsdienst auf der Strecke New York - Chicago kämen laut FAA 68.000 uSv zusammen.Folgt man der simplen, aber umstrittenen linearen Regel (näheres siehe hier), vergrößerte genannte Exposition das Risiko einer tödlichen Krebserkrankung um 0,27 Prozent gegenüber anderen Erwerbstätigen. Statistisch hätte sie dann einem von 368 Crew-Mitgliedern krebsbedingt das Leben gekostet.
Strahlungsbedingte Krebstote nachgewiesen
Flugbegleiter und -begleiterinnen tragen im Ernstfall eine immense Verantwortung, z.B. beim Evakuieren von Flugzeugen. Sie nehmen ein hohes Verletzungsrisiko wegen plötzlich auftretender Turbulenzen auf sich, da sie - anders als Passagiere - die meiste Zeit über nicht angeschnallt sein dürfen. Sie sind dennoch schwer unterbezahlt, und das nicht nur bei Billig-Airlines.
Blick auf die Sinai-Halbinsel auf dem Flug nach Sharm El Sheikh
Außerdem sind sie oft und lange der kosmischen Sekundärstrahlung ausgesetzt. Was bislang nur in kleinen Gruppen nachgewiesen wurde, ist nun breit bewiesen. Und zwar von einer Studie der Harvard Medical School vom August 2026 (siehe hier; USA): Flugbegleiter und -begleiterinnen bilden jene Berufsgruppe, die am meisten von strahlungsbedingten Krebsarten betroffen ist.Der Nachweis gelang, in dem man nicht die gesamte Zahl an Krebstoten analysierte, sondern sich auf strahlungsbedingte Krebsarten konzentrierte. Hier ist die Zahl entsprechender Todesfälle bei Flugbegleitern und -begleiterinnen signifikant höher als bei mehr als 500 anderen Berufen.Die Flugzeugkabine ist als Arbeitsplatz strahlungstechnisch betrachtet gefährlicher als ein Kernkraftwerk. Eine kurze Zusammenfassung der Studie mit anschaulichen Grafiken finden Sie hier (spaceweather.com; USA).
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