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Uranus - 2026 - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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18. und 19. Dezember 2026
Jetzt Flamsteeds Beobachtung selbst nachvollziehen!


Der Planet Uranus ist zu Winterbeginn 2026/27 gut zu beobachten. Er wurde 1781 von Wilhelm Herschel entdeckt. Später fand man Vorentdeckungen, bei denen der Planet zwar katalogisiert, aber für einen Fixstern gehalten wurde: Sowohl Tobias Mayer als auch John Flamsteed hätten mit der Planetenentdeckung "unsterblich" werden können. Sie glitt ihnen jedoch durch die Hände.

Die erste dieser dokumentierten Vorentdeckungen lässt sich jetzt nachempfinden. Denn Uranus kehrt an jene Himmelsstelle zurück, wo ihn John Flamsteed bereits 1690 sah.

Wie Alexander Pikhard (Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie) betont, hat Uranus seit Flamsteeds Messung im Dezember 1609 vier Umläufe um die Sonne absolviert: Der ferne Planet steht im Dezember 2026 praktisch an der gleichen Stelle, wo ihn der Engländer seinerzeit von Greenwich aus anvisierte.

Richtet man ein Fernglas oder Teleskop auf diese Himmelsstelle, kann man Flamsteeds Anblick nachempfinden und dem königlichen Astronomen gleichsam "über die Schulter blicken" - mit einer Verzögerung von 336 Jahren.
Obige Grafik vergleicht die Bewegung des Uranus im Dezember 1690 und 2026. Die Hintergrundsterne haben sich seither teilweise ein wenig durch die stellare Eigenbewegung verschoben (die Stricherln in der 1690er Grafik weisen in Richtung Jetztzeit).

Im Wesentlichen lässt sich nach der grafischen Analyse mit der Software GUIDE aber sagen:

John Flamsteed erblickte den Uranus am 23. bzw. 24. Dezember 1690 ohne dies zu ahnen. Der gleiche Anblick stellt sich jetzt am 18. bzw. 19. Dezember 2026 wieder ein.

Wir werden freilich auch schon einige Tage davor oder danach zum "Rücken" oder "Herzen" des himmlischen Stiers (in Flamsteeds Worten: in pectore) blicken, um nicht dem Wetterpech anheim zu fallen.
Mit 5,6 mag wäre Uranus theoretisch gerade noch hell genug, um ihn - fern der Stadt - mit freiem Auge zu erspähen. Zur entscheidenden Zeit stört allerdings auch das helle Mondlicht.

Ein Fernglas erleichtert die Beobachtung deshalb ungemein, wobei solche Geräte meist Gesichtsfelder von 5 Grad und mehr besitzen. Zur Auffindung orientiert man sich an den umliegenden Sternen. Die Plejaden leisten dabei willkommene Hilfe.

Seinen höchsten Stand erreicht der Uranus zu Winterbeginn gegen 22 Uhr: Im Großraum Wien sind das immerhin 62 Grad.
Der Anblick im Fernglas zu Winterbeginn 2026
Wer ein GOTO-fähiges Teleskop verwendet, wird Uranus im Menü direkt anwählen oder wird die in der folgenden Grafik gezeigten SAO-Nummern in die Handbox eintippen.
Alternativ mag man die aktuellen Uranus-Koordinaten eingeben
(Äquinoktium 2000, berechnet mit Guide):

Datum       MEZ  Rektaszension Deklination
12 Dez 2026  22  04h02m14.33s  +20 32' 01.3"
13 Dez 2026  22  04h02m04.46s  +20 31' 34.4"  
14 Dez 2026  22  04h01m54.67s  +20 31' 07.7"  
15 Dez 2026  22  04h01m44.97s  +20 30' 41.2"  
16 Dez 2026  22  04h01m35.36s  +20 30' 14.9"  
17 Dez 2026  22  04h01m25.85s  +20 29' 48.9"  
18 Dez 2026  22  04h01m16.44s  +20 29' 23.2"  
19 Dez 2026  22  04h01m07.14s  +20 28' 57.7"  
20 Dez 2026  22  04h00m57.95s  +20 28' 32.5"  
21 Dez 2026  22  04h00m48.87s  +20 28' 07.6"  
22 Dez 2026  22  04h00m39.91s  +20 27' 43.0"  
23 Dez 2026  22  04h00m31.07s  +20 27' 18.8"  
24 Dez 2026  22  04h00m22.36s  +20 26' 54.8"  
25 Dez 2026  22  04h00m13.77s  +20 26' 31.2"  
26 Dez 2026  22  04h00m05.32s  +20 26' 08.0"  
27 Dez 2026  22  03h59m57.00s  +20 25' 45.1"  
28 Dez 2026  22  03h59m48.82s  +20 25' 22.6"  
29 Dez 2026  22  03h59m40.78s  +20 25' 00.5"  
30 Dez 2026  22  03h59m32.89s  +20 24' 38.8"  
31 Dez 2026  22  03h59m25.15s  +20 24' 17.4"  
Im schwach vergrößernden Teleskop (Gesichtsfeld vielleicht 0,5 Grad bzw. 30 Bogenminuten) fällt uns auch die langsame Bewegung des Planeten zwischen den Fixsternen auf.

Uranus verändert seinen Ort von Nacht zu Nacht. Auch die grünliche Farbtönung wird uns im leistungsfähigeren Fernrohr wohl nicht entgehen. Bei höherer Vergrößerung sollte er sich außerdem als Scheibchen entpuppen, wenngleich bloß als winziges (Durchmesser 3,8").
Uranus steht zu Winterbeginn 2026 übrigens 19,43 AE (das sind 2,91 Milliarden km) von der Sonne ab. Von der Erde trennen ihn dann 18,55 AE (2,77 Milliarden km).

Jedenfalls bieten uns die Tage vor Weihnachten 2026 die einmalige Chance, ein historisches Ereignis nachzuempfinden. Es hätte 1690 zur Sensation geraten können!


Beobachtungsaufgaben

  • Gelingt es Ihnen, den Uranus im Fernglas trotz des Mondlichts aufzustöbern?
  • Schaffen Sie das mit dem Teleskop?
  • Ab welcher Teleskop-Vergrößerung fällt Ihnen der Scheibchencharakter auf?
  • Nehmen Sie den leicht grünlichen Farbton im Teleskop wahr?
  • Wenn ja, ab welcher Vergrößerung?
  • Bemerken Sie die gemächliche Bewegung des Uranus von Nacht zu Nacht?
  • Halten Sie den Fernrohranblick in einer Zeichnung fest!


Fototipps

Der Anblick am 18. oder 19. Dezember 2026 sollte sich bereits ohne Nachführung mit einer DSLR festhalten lassen. Uranus steht dabei im Goldenen Tor, also zwischen den beiden Offenen Sternhaufen Hyaden und Plejaden.

Will man Uranus gemeinsam mit den Plejaden und den Hyaden einfangen, schraubt man ein Normalobjektiv von 50 mm an die DSLR (APS-C; Blende 2.0 oder 2.8, ISO 1600 oder 3200, Belichtungszeit maximal 4 s). Begnügt man sich mit Uranus samt Plejaden, setzt man ein 135 mm Teleobjektiv vor die Cam (APS-C; 2.8, ISO 1600 oder 3200, Belichtungszeit maximal 1,5 s).

Längere Belichtungszeiten als die oben genannten erfordern eine Nachführung, der Erdrotation wegen. Man montiert die Kamera samt Objektiv z.B. huckepack am nachgeführten Teleskop oder bedient sich einer Nachführ-Plattform.

Um das Bildfeld auf grob 30 Bogenminuten einzugrenzen (30', wie in der obigen Grafik), muss man mit der DSLR (APS-C) schon durchs Teleskop selbst fotografieren - mit Brennweiten um 1500 bis 2000 mm.  

Das Stacking dutzender Belichtungen und andere Methoden der Deep Sky Fotografie verbessern das Ergebnis bei jeder Brennweite. Schießt man statt dessen bloß ein einzelnes Foto, empfiehlt sich die kamerainterne Rauschreduktion.
Alle Angaben ohne Gewähr
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