Saturnkugel und Wolkenbänder
Mit freiem Auge fällt bereits der ruhige Schein des Saturn auf. Wie die anderen Planeten auch, funkelt er nicht - schon gar nicht im Vergleich zu Fixsternen.
Die gelbliche Tönung ist nur bei wirklich dunklem Himmelshintergrund zu erahnen. Die Alten kannten einen solchen Himmel noch und kürten den gelblichen Lichtpunkt zum Sinnbild des alten Ackerbaugottes.
Saturn im Fernrohr
Rund um die Opposition misst das Planetenscheibchen 20 (am Äquator) bzw. 18 (von Pol zu Pol) Bogensekunden. Um es im Teleskop unter dem gleichen Winkel zu erspähen wie den Mond mit freiem Auge, müsste man Saturn knapp 100-fach vergrößern. Unglücklicherweise vergrößert man dabei auch die Luftunruhe mit!
Die Saturnkugel selbst erscheint aus irdischer Perspektive etwa halb so groß wie jene des Jupiter. Das Teleskop würde - bei genauer Betrachtung und hoher Vergrößerung - die starke Abplattung Saturns zeigen.
Diese entsteht durch die rasche Rotation des Gasplaneten, der am Äquator immerhin 120 536 km misst. Das ist das 9,4-fache des Erddurchmessers. Allerdings lenkt Saturns Ringsystem das Auge ab und erschwert es, die Abplattung zu erkennen.
Ohne seinen Ringschmuck und seine Monde wäre Saturn ein langweiliger Planet. Hier ist ein ringloser Fernrohranblick simuliert - mit Guide 9.0. Man erkennt die beiden matten Bänder zu beiden Seiten des Äquators und die ebenfalls etwas dunkleren Polgebiete.
Die rasche Rotation und die Sonnenwärme sind Grund für die Entstehung der dunklen Wolkengürtel (auch Wolkenbänder genannt) und helleren Wolkenzonen, die alle parallel zum Äquator liegen. Die Kontraste sind schwächer als bei Jupiter, weil der fernere Saturn deutlich weniger Wärme empfängt.
Man muss deshalb schon genau schauen, um Saturns Wolkenbänder im Teleskop zu erspähen. Die beiden Polgebiete erscheinen außerdem etwas dunkler als die Äquatorzone.
Aus himmelsmechanischen Gründen blicken wir etwa alle 15 Jahre auf die schmale Kante des Ringsystems. Das erleichtert dann die Beobachtung der Wolkenstrukturen.
Supersturm überfällig?
Saturn ist für Überraschungen gut. So begann sich Ende 2010 ein mächtiger Sturm im Norden des Planeten abzuzeichnen: Zwei helle Wolken zierten damals seine Stirn. Das Foto vom 2. April 2011 hält sie eindeutig fest (damals noch aufgenommen mit einer simplen ToU-Webcam).
Solche Superstürme wurden unter anderem 1876, 1903, 1933, 1960 und 1990 beobachtet. Man beachte das mittlere Intervall, das einem Saturnumlauf um die Sonne (29,4 Jahre) ähnelt. Die Stürme beginnen als weiße, ovale Flecken im nördlichen Äquatorialgürtel - das ist der dunkle Gürtel oberhalb der hellen Äquatorzone.
Sie verbreitern sich bald und spannen sich schließlich wie ein heller Schal um den ganzen Planeten. Solche Erscheinungen treten vor allem (aber nicht nur) während des späten Sommers auf der Nordhalbkugel des Saturn auf. Sie sind somit ein saisonaler Effekt.
Der aktuelle Sommer begann dort im Mai 2017; er endet im Mai 2025 (Quelle: The Planetary Society). Folglich wäre ein neuerlicher Supersturm längst überfällig. Wer Saturn regelmäßig beobachtet, könnte dessen Ausbruch live miterleben!
Versuche mit Filtern
Farbfilter kosten dem schwachen Saturn oft zuviel Licht, um sinnvoll eingesetzt zu werden - vor allem in kleinen Fernrohren.
In leistungsstärkeren Instrumenten hilft aber zuweilen ein Gelb- (z.B. Wratten Nr. 12), Gelbgrün- (z.B. Wratten Nr. 11) oder leichter Blaufilter (z.B. Wratten Nr. 82A). Das vierteilige Meade Filterset 1,25 Zoll (12, 23A, 58, 80) beinhaltet Filter, die man zur Beobachtung von Venus, Mars, Jupiter und Saturn einsetzen kann. Omegon bietet ein sechsteiliges Set an (Wratten Nr. 21, 25, 82, 12, 56, 47).
Auch ein Kontrastfilter mag dienlich bei der Beobachtung sein, speziell wenn man mit Linsenteleskopen arbeitet. Weiteres über den Einsatz von Filtern lesen Sie hier.
IR-empfindliche Kameras halten den Saturn im sichtbaren und im infraroten Licht fest. Blendet man den sichtbaren Bereich des Spektrums mit einem IR-Pass-Filter aus, erscheint der Planet im Vergleich zu seinem Ring bemerkenswert dunkel.
Ursache ist das Methan in seiner Atmosphäre: Es verschluckt das IR-Licht teilweise. Noch dramatischer geriete der Effekt mit einem speziellen Methanbandfilter.
So werden unsere Augen den Saturn nie erblicken: Der Planet fotografiert mit der Asi 662MC und einem Zwo 850 IR-Filter
Echte Farben auf Saturn
Wer ohne Filter beobachtet, mag sich Gedanken über die farblichen Tönungen auf Saturn machen.
Das nördliche Äquatorialband wird in größeren Instrumenten mitunter als bräunlich beschrieben. Andere Gebiete mögen cremegelb oder beige erscheinen. Das nördliche Polgebiet mutet grau an: Manche Beobachter sehen hier einen olivfarbigen Einschlag. Auch im Vergleich mit den Ringen mag ein farblicher Kontrast auftreten. Diese bestehen primär aus Wassereisteilchen und zeigen einen neutraleren Farbton.
Saturn in der Nacht vom 17. zum 18. Juli 2022
Der Planet am 11.8.2023. Die Ringneigung ist nun flacher.
Die Farbtönung bekomme ich nicht immer korrekt hin, wie man hier unschwer erkennt
"Falsche Farben" - die atmosphärische Dispersion
Aufgrund des eher niedrigen Stands des Saturn am Himmel treten selbst im besten Teleskop störende Farbsäume auf. Der Grund: Die Atmosphäre bricht blaues Licht etwas stärker als rotes - man spricht von "atmosphärischer Dispersion". Abhilfe mag das Einschalten zweier Prismen in den Strahlengang schaffen, wie sie in einem ADC (Athmospheric Dispersion Corrector) verbaut sind.
Bei der fotografischen Bildbearbeitung kann entsprechende Software (z.B. Registax) die Farbränder zum Teil wieder wegrechnen, wie die Illustration vom 10.6.2016 zeigt.
Beim oberen Foto wurde der Saturn ohne mathematische Dispersionskorrektur geschärft, beim unteren habe ich diese Korrektur vor der Schärfung angewandt.
Beobachtungsaufgaben
- Nehmen Sie Saturns leicht gelbliche Tönung mit freiem Auge wahr?
- Lässt Sie diese an den Mythos vom "Goldenen" Zeitalter denken, mit dem die Griechen und Römer ihren Gott Chronos bzw. Saturn verbanden?
- Bringt ein Fernglas die Farbe besser zur Geltung?
- Erkennen Sie mit freiem Auge einen Helligkeitszuwachs zum Oppositionstermin?
- Sehen Sie Saturns Abplattung im Fernrohr?
- Bemerken Sie Details wie die beiden dunklen Äquatorialbänder oder die Polargebiete?
- Erspähen Sie weitere helle Zonen und dunkle Bänder?
- Nehmen Sie vielleicht sogar Farbschattierungen auf der Planetenkugel wahr, speziell mit größeren Teleskopen?
Fototipps gefällig?
Details auf Saturn lassen sich mit Teleskop und CCD-Kamera festhalten. Mit einer DSLR geht das wesentlich schlechter.
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