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Merkur - Beobachtung - Dr. Christian Pinter - Astronomische Beobachtungstipps

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Dr. Christian Pinter
Astronomische
Beobachtungstipps
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Merkur - Beobachtung
Merkur ist der innerste Planet und entfernt sich nie weit von der Sonne. Er wechselt rasch von einer Seite auf die andere, bildet dann einen für uns eher unscheinbaren Abend- oder Morgenstern. Seine größten Winkelabstände zur Sonne nennt man Elongationen. Sie können maximal 28 Grad betragen.

Rund um die östliche Elongation steht Merkur links der schon untergegangenen Sonne und ist damit in der Abenddämmerung sichtbar. Rund um die westliche Elongation weilt Merkur rechts der noch nicht aufgegangenen Sonne und taucht damit in der Morgendämmerung auf. Zumindest theoretisch.

Denn in unseren Breiten kommt noch eine Zusatzbedingung hinzu. Merkur zieht - wie alle Planeten - grob in der Ekliptikebene dahin. Die Ekliptik trifft den Westhorizont im Frühling unter einem vergleichsweise steilen Winkel. Beim Osthorizont ist dies im Herbst der Fall.

Falls eine östliche Elongation im Frühling eintritt, bietet sich eine wirklich gute Merkursichtbarkeit in der Abenddämmerung. Tritt eine westliche Elongation im Herbst ein, ist Merkur halbwegs einfach in der Morgendämmerung auszumachen.
So zeigte sich Merkur abends am 19.3.2024 (oben links)
Da ich kein Frühaufsteher bin, berichte ich hier nur über günstige Abendsichtbarkeiten.

Nach der bislang letzten Chance im Juni 2026 müssen wir nun bis 2027 auf die nächsten günstigen Abendsichtbarkeiten warten. Die besten Beobachtungsmöglichkeiten ergeben sich dann in den ersten Februartagen und im ausklingenden Mai.

Allerdings werden helle Sterne oder Planeten als Aufsuchhilfen fehlen. Und wenn der junge Mond am Merkur vorbei zieht, sind dessen beste Tage schon wieder vorbei.

Näheres lesen Sie hier rechtzeitig.

Einstweilen verweise ich auf die ausgezeichnete Merkurseite der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie. Alexander Pikhard illustriert die himmelsgeometrischen Bedingungen von Merkursichtbarkeiten dort sehr anschaulich.
Beobachtungstechnik

Ein Fernglas erleichtert das Auffinden des Merkurs nach Sonnenuntergang. Vielleicht gelingt es sogar, ein Teleskop auf ihn zu richten.  

Ein Orange- oder Rotfilter erhöht den Kontrast zum Dämmerungsblau. Näheres über den Einsatz von Filtern lesen Sie hier. Selbst im Teleskop werden wir aber bestenfalls die Phase des Planeten erkennen. Oberflächendetails sind auf Merkur zu klein und zu kontrastarm.

Erschwerend gesellt sich der niedrige Stand des Planeten über dem Horizont hinzu. Er sorgt für starke Luftunruhe. Die in dieser geringen Höhe besonders deutliche atmosphärische Extinktion schenkt dem eigentlich grauen Merkur einen etwas gelblichen Teint, der uns sogar schon im Fernglas auffallen wird.
Fototipps gefällig?
Man kann versuchen, Merkur in der Dämmerung mit der DSLR einzufangen - und zwar ohne Teleskop. Dazu braucht man bloß ein Stativ und am besten auch einen Fernauslöser. Die Kameraautomatik bietet dank der hellen Dämmerung einen ersten Anhaltspunkt für die Belichtungszeit. Von extremen Weitwinkelaufnahmen rate ich ab: Denn dann wird Merkur nur noch 1 Pixel klein und somit quadratisch.

Scharfgestellt wurde im Juni 2026 auf den hellen Planeten Venus, eventuell mit einer Bahtinov-Maske (diese Masken gibt es auch in passenden Größen für Kameraobjektive). 2027 wird diese planetare Assistenzleistung abends fehlen. Dafür lassen sich aber sehr weit entfernte irdische Objekte am Horizont zum Fokussieren nützen. Das Foto gewinnt an Plastizität, wenn man Irdisches (in der Nähe und in der Ferne) mit ins Bild rückt.
Um die Lichtphase des Merkur einzufangen, muss man den Planeten mit einer CCD/CMOS-Kamera durchs Teleskop anvisieren. Ein Rotfilter mag helfen, den Kontrast zu steigern und die Folgen der Luftunruhe zu mindern.
Speziell ausgerüstete Amateure fotografierten bereits den Natriumschweif des Merkur: Das ist ein grob 1 Grad langes, kometenähnliches Gebilde aus Atomen, die Stunden zuvor von der Sonnenstrahlung aus dem Merkurboden geschlagen wurden.

Um den Natriumschweif festhalten zu können, braucht es klaren, möglichst dunklen Himmel und einen Filter, der wirklich nur die gelbe Doppellinie des Natriums (589,0 nm und 589,6 nm) passieren lässt.

Solche Filter für die Planetenbeobachtung sind leider sehr schwer zu bekommen. Denn aufgrund der städtischen Lichtverdreckung leiden Astroamateure ja meist unter dem gegenteiligen Problem: Sie müssen das durchfallfarbige Licht der Stadtautobahnen wegfiltern - und brauchen somit Natrium-Blocker statt Natrium-Passfilter.

Näheres über Merkurs Schweif lesen Sie in den Geophysical Research Letters, 2.2.2008.
Beobachtungsaufgaben
    • Gelingt es Ihnen, Merkur freisichtig in der Dämmerung auszumachen?
    • Schaffen Sie es mit dem Fernglas?
    • Wie würden Sie Merkurs farbliche Tönung bezeichnen?
    • Wie ändert sich diese während des Herabsinkens zum Horizont?
    • Ist die aktuelle Lichtphase des Planeten im Fernrohr zu erkennen?


    Alle Angaben ohne Gewähr!
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